Von Jürgen Duenbostel

Der dreißigjährige Krieg geht zu Ende. Das hoffen jedenfalls die Angolaner nach vierzehn Jahren Befreiungskampf gegen die Kolonialherren und sechzehn Jahren Bürgerkrieg. Am 15. Mai, so hatten zu Monatsanfang die Regierung und die rechtsgerichteten Unita-Rebellen nach zähen Verhandlungen in Estoril in Portugal zugesichert, sollten die Waffen schweigen. Aber erst am 31. Mai wird der Waffenstillstand formell in Kraft treten, wenn in Anwesenheit des amerikanischen und sowjetischen Außenministers das vereinbarte Friedensabkommen in Portugal unterzeichnet wird. Die vielleicht wichtigste Vereinbarung dieses über tausend Seiten langen Vertrages wird die Bildung einer neuen gemeinsamen angolanischen Armee sein, zusammengesetzt aus je 15 000 Freiwilligen der Regierungsstreitkräfte (Fapla) und der Unita plus der alten Luftwaffe und Marine. Die Vereinigung der verfeindeten Kräfte soll zur Versöhnung beitragen.

Noch will jedoch in Angolas Hauptstadt Luanda keine rechte Freude aufkommen. Die Leute warten ab, denn sie sind schon einmal enttäuscht worden. Bereits im Juni 1989 hatten Präsident José Eduardo dos Santos und sein Gegner Jonas Savimbi in Gbadolite in Zaire per Handschlag einen Waffenstillstand besiegelt. Doch bereits zwei Wochen später setzte die Unita ihre Attacken fort. Auch jetzt, nach der Vereinbarung in Estoril, verstärkten die Unita-Rebellen ihre Angriffe, wohl um noch schnell Geländegewinne zu erzielen, bevor der Waffenstillstand in Kraft tritt. Angolas Luftwaffe reagierte mit Bombenabwürfen auf von der Unita gehaltene Dörfer.

Dennoch hat der Frieden eine gute Chance. Ein Indiz dafür ist eine Ankündigung aus Atlanta, Vereinigte Staaten: Nach fünfzehn Jahren Abwesenheit will im Juni der Coca-Cola-Konzern in die ehemalige portugiesische Kolonie zurückkehren und zehn Millionen Dollar investieren, um die Produktion wieder aufnehmen zu können. Auch portugiesische und südafrikanische Geschäftsleute erkunden bereits das Terrain, um das große Geschäft beim Wiederaufbau des Landes nicht zu versäumen.

Das total verarmte Angola ist potentiell ein reiches Land. Nicht nur die Ölförderung, aus der die Regierung derzeit rund neunzig Prozent ihrer Devisen bezieht, läßt sich noch ausbauen. Es gibt darüber hinaus Diamanten, Eisen, Mangan, Kupfer, Gold und Uran; Bodenschätze, die nur zu einem Bruchteil ausgebeutet sind. Ferner verfügt Angola über ertragreiche Fischgründe, mehr fruchtbaren Boden als Westeuropa und ein großes Potential an Wasserkraft und Bewässerungsmöglichkeiten. Und wenn die von der Unita zerstörte Benguela-Bahnlinie repariert würde, könnte dies jährlich mindestens neunzig Millionen US-Dollar an Transiteinnahmen einbringen, da dann Kupfer aus Sambia und Zaire wieder zum Atlantikhafen Lobito befördert werden kann. Wenn die Wirtschaft voll entwickelt ist, könnte Angola sogar in der Lage sein, die Auslandsschulden in Höhe von sieben Milliarden Dollar zurückzuzahlen.

Es gibt also viele, die „Friedensgewinnler“ sein könnten, Kriegsgewinnler dagegen kaum noch. Denn die Unterstützer und Finanziers der Konfliktgegner – die Sowjetunion und Kuba für die regierende MPLA, die Vereinigten Staaten und Südafrika für die Unita – sind an einer Weiterführung der Kämpfe nicht mehr interessiert. Der Wandel in Osteuropa und der Schwenk der MPLA zu privater Marktwirtschaft und Mehrparteiendemokratie haben aus dem Stellvertreterkrieg zwischen Kapitalismus und Sozialismus einen innerangolanischen Konflikt rivalisierender Kräfte gemacht, der die Weltmächte kaum noch berührt. Auch für Südafrika ist es sinnlos, seine Nachbarn weiter zu destabilisieren, da nach Abschaffung der Apartheidsgesetze eine friedliche Eroberung der Märkte des südlichen Afrika der Kaprepublik größere Vorteile bringen kann.