In Trujillo startete Pizarro zur Eroberung des Inkareiches

Von Reginald Bruhn

Ein Jubiläum braucht eine große, runde Zahl. 500 ist eine solche Zahl, wegen der Nullen. Nächstes Jahr wird es 500 Jahre her sein, daß Kolumbus Amerika entdeckt hat. Das muß gefeiert werden. Besonders in Trujillo. Eigentlich immer, wenn man von der hübschen, kleinen Stadt im Südwesten der Iberischen Halbinsel hört, geht es um Spaniens vergangene Größe.

Und wenn Trujillo schon in diesem Jahr ein paarmal erwähnt wird, dann als „Wiege der Eroberer“. Aus dem Städtchen stammen mehr conquistadores als aus jeder anderen Stadt. Und vor 450 Jahren, am 26. Juni 1541, starb der berühmteste Sohn der Stadt, Francisco Pizarro, in Lima, in Peru.

An zahllosen Stauseen entlang und zwischen ihnen hindurch führt die Straße nach Trujillo. Die Sonne im Rückspiegel glüht golden und wärmt die Luft des tiefblauen Frühlingshimmels. Den Canal des Conquistadores überqueren – ohne das Schild am Straßenrand hätte man ihn einfach übersehen. Erst bei Sonnenuntergang rückt die auf Granit gebaute Stadt ins Blickfeld.

Das erste Mal zu Fuß auf dem Weg zum Zentrum, der Himmel ist längst dunkel. Zwischen den fensterlosen Mauern der aneinandergepreßten Häuser hallen die Schritte, als wäre man der Dritte Mann. Die leeren Gassen erlauben Kopf-Zeitreisen ins Mittelalter. Erst Scheinwerfer und Lärm des nächsten Kleinwagens zwingen die Gedanken zurück in die Gegenwart und den rettenden Hauseingang.

Zur Plaza mayor geht’s den Stimmen nach. Treppen und Kneipen auf dem zentralen Platz gehören am Abend der Jugend. Von den alten Adelshäusern rund um den Platz sieht man nur wenig. Die gnädige Dunkelheit verbirgt auch das Ungetüm von einem Reiterstandbild – fünf mal zwei Meter mißt allein der Sockelgrundriß. Ein Nordamerikaner stiftete die bronzene Statue zum Gedenken an Pizarro, den Eroberer. Aber das Licht in den Bars zieht einen fort von der Geschichte – hin zu tapas, tortillas und cerveza – und ein paar netten Tresengesprächen von der belanglosen Art.