Massakriert im Bürgerkrieg, gefallen im Ogaden-Feldzug, verhungert in den Dürreprovinzen – nahezu eine Million Menschen sind umgekommen, seit Mengistu Haile Mariam Äthiopien tyrannisiert. Nun hat er das Weite gesucht. Er wolle weiteres Blutvergießen vermeiden, heuchelte er zum Abschied. Das ist wahrer Zynismus.

Der „schwarze Stalin“ hinterläßt ein ruiniertes Land. Er wollte das Volk vom kaiserlichen Joch befreien – und hat ihm das kommunistische aufgezwungen. Die Unterdrückten in Eritrea und Tigre wehrten sich gewaltsam gegen den brutalen Zentralismus. Solange der kleine Diktator vom Großen Bruder in Moskau Hilfe erhielt, konnte er die Aufständischen niederhalten. Der Osten förderte, der Westen duldete seinen Terror (auch in Bonn hielt man ihm die blutige Stange!). Doch nach dem Ende des Kalten Krieges rollte der Rubel nicht mehr, und Mengistu geriet in die Defensive.

Der Leuteschinder ist geflohen. Will er sich auf seiner Farm in Zimbabwe zum Landwirt bekehren? Der dreißigjährige Bürgerkrieg aber tobt weiter. Ob die Rebellen, den Sieg vor Augen, ausgerechnet jetzt die Waffen niederlegen, da ein Kriegstreiber und ergebener Gefolgsmann des Tyrannen dessen Nachfolge antritt? Und was kommt danach? Droht eine „Libanisierung“ des zerrissenen Landes oder gelingt die Aussöhnung? ill