Der Sheriff von Bruckhausen: Als Polizist in einem schon fast aufgegebenen Stadtteil

Von Roland Kirbach

In den verwaschenen Jeans, der abgewetzten schwarzen Lederjacke und den Turnschuhen, den Kopf fast wie ein Skinhead millimeterkurz geschoren, wirkt er auf den ersten Blick so wenig vertrauenerweckend wie der klapprige Ford, mit dem er zum Dienst erscheint. Das herbe Outfit kontrastiert nicht nur mit der Vorstellung, die man gemeinhin von einem Mann in den Fünfzigern hat – vor allem stellt man sich so wohl kaum einen Polizisten vor, eher schon dessen Klientel. Einmal habe ihn sein Vorgesetzter in dieser Aufmachung am Schreibtisch sitzen sehen und ihn „angeraunzt“, sagt er grinsend.

Nicht nur mit seinem Erscheinungsbild eckt Polizeihauptmeister Hans Raulien bei Vorgesetzten und Kollegen an – seine gesamte Dienstauffassung stößt immer wieder auf Ablehnung. Im vergangenen Jahr sollte er von seinem Posten abgelöst werden; eine Protestaktion in der Bevölkerung verhinderte es.

Seit sieben Jahren macht Hans Raulien Dienst in der Polizei-Bezirksdienststelle im Duisburger Stadtteil Bruckhausen. Sein Arbeitsplatz ist ein kleines Büro im Erdgeschoß eines Mietshauses an der Kaiser-Wilhelm-Straße, der Hauptstraße von Bruckhausen, die meiste Zeit aber ist er irgendwo im Viertel unterwegs.

Auch heute hält es ihn nicht in der Büroluft. Schnell die Uniform an, das Funkgerät in die Brusttasche, die Pistole in den Gürtel und dann raus. Im Gehen sagt er, als wolle er den Begleiter vorbereiten auf das, was ihn erwartet: „Dieser Stadtteil wird völlig von außen am Leben erhalten, hier gibt es fast nichts mehr, keinen Friseur, keine chemische Reinigung, nichts.“

Der Mist muß weg