München

Der Prinz hält auf Tradition. Über seinem Schreibtisch hat Luitpold von Bayern die Wappen seiner Vorfahren aufgehängt. Bayerische Herzöge und Könige, von denen er stolz berichtet, daß sie schon im 12. Jahrhundert Bier brauten, 1516 das Reinheitsgebot erließen und 1810 das Münchener Oktoberfest gründeten. Die Vergangenheitspflege freilich ist gut für sein ganz bürgerliches Geschäft: Auf Schloß Kaltenberg, östlich von Augsburg, betreibt Prinz Luitpold eine kleine Brauerei. „Königlich-bayerisches Bier“ hat er in großen Lettern auf die Wände im Innenhof tünchen lassen. Seinem Gerstensaft gab er werbeträchtige Namen wie „König Ludwig Dunkel“ oder „Prinzregent Luitpold Light“. Die Ahnen auf dem Etikett zahlen sich offenbar aus: Zweistellige Zuwachsraten kann der Wittelsbacher alljährlich in seine Bier-Bilanz schreiben.

Der fürstliche Erfolg läßt seit Jahren die Konkurrenz schäumen. Die Bezeichnung „königlichbayerisches Bier“ sei irreführend, der Prinz habe die Kaltenberger Brauerei erst 1954 gekauft, und da habe es – wie jeder wisse – kein Königtum in Bayern mehr gegeben. Eine „Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs“ trat vor Gericht als Kläger auf, aber es ist ein offenes Geheimnis, daß Münchener Großbrauereien dahinterstehen.

Elf Jahre lang schleppte sich der Prozeß durch die Instanzen. Zuletzt befaßte sich sogar der Bundesgerichtshof in Karlsruhe mit dem bayerischen Bierkampf. Die Richter scheuten keine Mühe und beauftragten ein Meinungsforschungsinstitut. Eintausend repräsentativ ausgewählte Bundesbürger mußten die Frage beantworten, ob sie „königlichbayerisches Weißbier“ irgendwie mit dem alten Königreich in Verbindung bringen würden. Sie brachten. Höchstrichterlich wurde dem Prinzen Luitpold daraufhin der Markenname untersagt.

Doch der Urenkel des letzten Königs erwies sich als cleverer Geschäftsmann. Vorsichtshalber hatte er das umstrittene Weizenbier schon lange vor dem Urteilsspruch aus dem Verkehr gezogen. Seine Weiße heißt jetzt schlicht „Kaltenberg“, das „königlich-bayerische Bier“ ist in die Unterzeile gerutscht. Dagegen sind neue Klagen anhängig, aber denen sieht Königliche Hoheit mit Ruhe entgegen. Er weiß: Bis zur letzten Instanz wird noch viel Kaltenberger Bier durch die Kehlen rinnen.

Der Rechtsanwalt des Wittelsbachers kann sich ohnehin nicht über mangelnde Arbeit beklagen. So hat schon die Duisburger König-Brauerei gegen den „König Ludwig“ und Prinzbräu gegen den „Prinzregent Luitpold“ auf dem Etikett geklagt. Beides erfolglos. Der Kaltenberger Brauereibesitzer sieht es gelassen. In der deutschen Bierbranche werde häufig gegeneinander prozessiert. Das Wettbewerbsrecht sei hierzulande so streng. Er selbst hätte auch schon so manchen Konkurrenten verklagen können, der sein Bier „Klosterbräu“ nenne, nur weil die Brauerei vor ein paar Jahrhunderten mal einem Kloster gehört habe. Vielleicht klagt der blaublütige Streiter ja noch, denn für Werbung und Geschäft sind spektakuläre Prozesse allemal gut.

So ficht Prinz Luitpold, der vor seinem Schloß gern historische Ritterspiele veranstaltet, noch einen anderen Strauß mit der Münchener Brauer-Lobby aus. Seit Jahr und Tag will er mit einem Bierzelt auf das lukrative Oktoberfest. Dort sind die Sitten streng. Nur Münchener Brauereien seien zugelassen, und Schloß Kaltenberg liege weit außerhalb des städtischen Burgfriedens, heißt es im Rathaus. Zudem zeigt man sich demokratisch: Alle Antragsteller müßten gleich behandelt werden, Privilegien für das ehemalige bayerische Königshaus könne es nicht geben.