Im Duell der beiden größten europäischen Automobilkonzerne – Volkswagen und Fiat – fahren die Deutschen einen immer deutlicheren Vorsprung in der Verkaufsstatistik heraus. Einer der Gründe: Obwohl das Modell Golf, seit Jahren die Nummer eins in Europa, im Spätsommer völlig neu gestylt auf den Markt kommt, ist der Vorgänger in der Gunst der Käufer nicht abgerutscht. Die ersten vier Monate brachten VW inklusive der Töchter Audi und Seat in den siebzehn westeuropäischen Ländern ein Absatzplus von elf Prozent – verglichen mit demselben Zeitraum 1990. Fiat dagegen verlor mehr als zwölf Prozent.

Eine selten zuvor beobachtete Spaltung der Autokonjunktur in Europa begünstigt VW und schwächt Fiat: Der deutsche Markt einschließlich der fünf neuen Bundesländer boomt. Von Januar bis April wurden nach Schätzungen der Industrie hier 1,5 Millionen Neuwagen erstmals für den Verkehr zugelassen – 47 Prozent mehr als im Vorjahr. Weil VW hierzulande den größten Marktanteil hält, profitieren die Wolfsburger davon auch am meisten. In beinahe allen anderen Staaten Europas dagegen geht das Geschäft mit Autos zurück – auch in Italien. Ohne Deutschland schrumpfte der europäische Automarkt in den ersten vier Monaten um 12,4 Prozent.

VW-Chef Carl Hahn stellte kürzlich stolz fest: "Wir standen 1982 an fünfter Stelle in Europa und nehmen seit 1986 die erste Position ein; der Abstand zur Konkurrenz hat weiter zugenommen." In der Ertragskraft freilich hat VW den italienischen Fiat-Konzern noch lange nicht erreicht. Für das Geschäftsjahr 1990 schaffte VW etwas mehr als eine Milliarde Mark Jahresüberschuß. Fiat-Boß Giovanni Agnelli kann sich über einen doppelt so hohen Reingewinn freuen, obwohl der sich gegenüber 1984 halbiert hat.

Das Blatt weckt Emotionen – und das will es auch. Super, die Boulevardzeitung, die der Münchner Verleger Hubert Burda mit dem Medienmogul Rupert Murdoch Anfang Mai auf den ostdeutschen Markt warf, macht Stimmung – vor allem gegen die Westdeutschen. Die Untaten der Wessis sind Tageskost für die Super-Leser: etwa die Treuhand, die Entlassungen zu verantworten hat und laut Super "zynisch" vom "Großflugtag" spricht, oder ein Treuhand-Chef, der Arbeitslose "Drückeberger" genannt haben soll, die westdeutschen Makler, die gleich ganze Ost-Dörfer einsacken. Eine westdeutsche Lehrerin schimpfte einen Ossi, der im entscheidenden Moment versagte, gar einen "Schlappschwanz" – da blieb ihm wohl nur noch der Mord als Antwort.

Auch sonst soll vor allem mit niederen Emotionen Auflage gemacht werden. Da wird auf der einen Seite zwar beklagt: "Wie verzweifelt muß eine anständige Frau sein, wenn sie für Liebe Geld nimmt", ein paar Seiten weiter in der Serie "Nachtreport" jedoch genüßlich über die "geheimen Orte der Lust von Rostock bis Suhl" berichtet.

Die Konkurrenz – natürlich Wessis – brachte Hubert Burda trotz der simplen Machart seines Blattes zur Wallung. Denn er brachte Super zu dreißig Pfennig auf den Markt – und entfachte damit ein heftiges Marktgerangel. Bild von Springer und Dresdner Morgenpost von Gruner + Jahr mußten die Verkaufspreise senken. Und so schnell, das ist allen klar, kommt man von den Dumpingpreisen nicht weg – das wird teuer für alle Beteiligten. Die beiden Hamburger Großverlage ließen denn auch prompt ihre publizistischen Muskeln spielen. Springers Welt zitierte einen ‚Vertrauten Kohls" mit den Worten des Kanzlers: "Dreck und Blödsinn aus dem Hause Burda." Und Bild druckte, ganz unüblich, aus dem stern nach. Das Flaggschiff von Gruner + Jahr bezeichnete Super als Burdas "neues Zentralorgan", in dem er "den Haß der Ostauf die Westdeutschen" schüre.

Über den bisherigen Erfolg von Super gibt es naturgemäß auch höchst unterschiedliche Einschätzungen: Während die Hamburger Konzerne das Blatt bei einer verkauften Auflage zwischen 220 000 bis 260 000 ansiedeln, heißt es bei Burda: "über 300 000 täglich".