Seit Wochen pendelt der Deutsche Aktienindex (Dax) um die Marke von 1600. Die Umsätze am Aktienmarkt bewegen sich auf einem denkbar niedrigen Stand. Das ist ein Zeichen dafür, daß auch die Ausländer nur sporadisch als Käufer oder als Verkäufer vertreten sind. Ihnen – ebenso wie den inländischen institutionellen Anlegern – fehlen für den deutschen Markt die langfristige Perspektiven. Die von den Analysten vorausgesagte Steigerung der Unternehmensgewinne im kommenden Jahr zwischen vier und sechs Prozent seien kein Grund, so die einhellige Meinung, an eine nachhaltige Aufwärtsbewegung zu glauben.

Deshalb wird kurzfristig disponiert, in der Hoffnung, aus den begrenzten Kursschwankungen zumindest einen minimalen Nutzen zu ziehen. Der von Analysten für möglich gehaltene Rückgang des Dax bis auf einen Stand von 1500 ist somit eher unwahrscheinlich.

An diesem Zustand wird sich nach Meinung der meisten Börsenexperten so bald nichts ändern. Es dürfte aber innerhalb eines eng abgesteckten Rahmens Sonderbewegungen geben, ausgelöst durch positive oder weniger gute Berichte aus dem Bereich der Unternehmen. In dieser Woche beispielsweise wuchs die Kaufneigung für Bankaktien im Hinblick auf die zu erwartenden guten Ergebnisse, die einige Institute im ersten Quartal 1991 erzielt haben sollen.

Läuft bei den Banken das Geschäft so weiter wie in den ersten Monaten dieses Jahres, so sind für 1991 überaus befriedigende Abschlüsse zu erwarten, zumal sich diesmal die Wertberichtigungen auf die Rentenwerte in engeren Grenzen halten werden als 1990. Denn im Augenblick werden wesentliche Zinssteigerungen nicht mehr erwartet.

Im übrigen profitieren die Großbanken genauso wie die Papiere der Großchemie von Dividendenkäufen. Diese werden von Institutionen vorgenommen, denen an ausschüttungsfähigen Beträgen gelegen ist und die auch das Körperschaftsteuerguthaben verwerten können, was bei den Ausländern in der Regel nicht der Fall ist.

In anderen Branchen ist der Gewinntrend eher uneinheitlich. Der Mannesmann-Zwischenbericht weist dunkle Schatten auf. Keine einheitliche Meinung bildet sich über die Zukunft der Daimler-Aktie. Bemängelt wird vor allem die ungenügende Rentabilität des Konzerns. Dagegen werden im Preussag-Abschluß positive Ansätze gesehen, was sich im Aktienkurs entsprechend niedergeschlagen hat. Nach wie vor positiv beurteilt werden auch die Warenhausaktien. K.W.