Datenfernübertragung

Von Gero von Randow

Der Kanal ist voll", kommentiert Michael Ernst vom Rechenzentrum des Hamburger Großforschungsinstituts für Hochenergiephysik Desy. Per Datenfernleitung hatte er zunächst vergeblich versucht, einen Computer des Rechenzentrums an der Technischen Hochschule (RWTH) Aachen zu benutzen. Eine Weile geschah überhaupt nichts auf seinem Bildschirm, bis sich endlich der Aachener Rechner meldete, um Befehle entgegenzunehmen.

Deutsche Universitäten und Forschungsinstitute sind miteinander "vernetzt". Das heißt, Wissenschaftler können sich mit Hilfe von Computern und Fernmeldeleitungen gegenseitig Daten übermitteln, seien es Ergebnisse von Experimenten, Literaturhinweise, Briefe, Statistiken oder Computerbefehle für Rechner, die nicht in ihrem Institut stehen. Die Deutsche Bundespost (Telekom) hat der Forschung ein eigenes Datennetz geknüpft. Es besteht aus fünf Vermittlungsrechnern und Leitungen, die sie verbinden, sowie Übergängen zu anderen, auch internationalen Netzen. Das Wissenschaftsnetz heißt Win und besteht seit nunmehr einem Jahr.

Datennetze gibt es in der Bundesrepublik schon seit geraumer Zeit. Die Benutzungsgebühr richtete sich nach der Menge der übertragenen Daten. Für Universitätskanzler ein teurer und oft auch deshalb mißlicher Tatbestand, weil der Haushaltsposten "Datenfernübertragung" (DFÜ) sich kaum beziffern ließ. Was der Datenverkehr wirklich kostete, zeigte sich meist erst am Jahresende. Die Folge: DFÜ fand nur dort statt, wo sie unvermeidlich war, etwa bei der gemeinschaftlichen Computernutzung. Um Abhilfe zu schaffen, wurde 1984 der Verein Deutsches Forschungsnetz (DFN) gegründet. Heute verwaltet er gemeinsam mit Telekom das Wissenschaftsnetz. Wer es nutzen will, muß den DFN-Vereinsbeitrag sowie eine feste Jahresgebühr entrichten.

Das Win hat sich nach einhelliger Ansicht bewährt. "Es funktioniert tadellos", lobt Michael Ernst, "und was Sie auf den Bildschirm bekommen, sieht überall gleich aus. Das beugt Mißverständnissen bei der Kommunikation vor." Im Computerjargon heißt das "einheitliche Benutzeroberfläche".

Alle Hochschulen in den alten Bundesländern haben einen Win-Anschluß, außerdem mehrere außeruniversitäre Forschungsinstitutionen. Viele Wissenschaftler entdecken jetzt, wie praktisch eine Literaturrecherche in internationalen Datenbanken und wie erfrischend es sein kann, mit amerikanischen Kollegen via elektronischer Post Ideen auszutauschen. Das Netz verändert die Kommunikationsgewohnheiten.