Peter Benenson erinnert sich noch genau: Er, ein junger Londoner Anwalt, war damals dreißig Jahre alt, saß in der U-Bahn und las Zeitung. Ein Artikel über zwei portugiesische Studenten schockierte ihn: In einem Lissaboner Lokal hatten sie einen Toast auf die Freiheit ausgebracht und waren dafür ins Gefängnis gesperrt worden. Peter Benenson stieg aus der U-Bahn und machte sich schnurstracks auf den Weg zur portugiesischen Botschaft. Ein Mann mit Schirm und Melone ... Auf halbem Wege wurde ihm klar, wie vergeblich sein Vorhaben sein mußte.

Deprimiert suchte er Zuflucht in der Kirche St. Martins-in-the-Fields. Er betete und dachte nach – und war schließlich überzeugt: Hier konnte nur eine internationale Aktion helfen.

Am 28. Mai 1961 druckte der Observer einen großen Artikel von Peter Benenson, in dem dieser seine Idee von einer unparteiischen internationalen Organisation zur Befreiung politischer Gefangener vorstellte. Der Artikel erschien auch in ausländischen Zeitungen, und die Reaktionen waren überwältigend. Acht Leute, darunter zwei Deutsche, gründeten wenig später in einem Café in Luxemburg amnesty international.

Peter Benensons Engagement für die Menschenrechte ist älter. Ein Erlebnis, das er mit fünfzehn als Schüler im elitären Eton hatte, veränderte sein ganzes Leben. Er sah damals, wie eine Gruppe arbeitsloser Bergarbeiter aus Wales durch Windsor zog; sie war auf dem Weg zum Unterhaus in London. „Die Schule hatte so etwas noch nie gesehen: Tausende von abgerissenen und elenden Männern, die uns ihre Sammelbüchsen hinhielten. Ich war zutiefst schockiert, daß nur wenige Jungen ihnen etwas gaben.“ Die, die gespendet hatten, taten sich zusammen und „adoptierten“ baskische Waisen, später deutsche und österreichische Kinder.

Nach dem Krieg wurde Benenson vom Gewerkschaftskongreß gebeten, Prozesse gegen Gewerkschafter in Barcelona und Madrid zu beobachten. Dies führte zur Gründung des spanischen Verteidigungsfonds der Demokraten, mit dem den Familien der Gefangenen geholfen wurde. Der Ungarn-Aufstand von 1956 und Prozesse in Südafrika reaktivierten die „Organisation der Gerechtigkeit“, die Benenson einst zusammen mit Anwälten gegründet hatte.

Benenson wollte, daß das Hauptquartier von amnesty international (es ist heute in London) in einem neutralen Land aufgeschlagen werden sollte. Er konnte sich nicht durchsetzen und zog sich sechs Jahre nach der Gründung zurück. Die nächsten zwanzig Jahre betätigte er sich als Farmer, doch heute, mit 69 Jahren, ist er wieder aktiv, arbeitet wieder für amnesty und ist Vorsitzender der „Christen gegen Folter“. Am stolzesten ist er auf die medizinischen Stiftungen für Folteropfer: Menschen aus dem Gefängnis zu befreien, so sagt er, ist nur der erste Schritt; dann beginnt die Rehabilitierung, so daß die Gefangenen und ihre Familien die Chance der Heilung haben. Sie sollen ihr Leben zurückbekommen, so wie es war, bevor es eines Nachts an ihre Tür pochte.

Amnesty ist weltweit zum Symbol der Freiheit geworden, aber es darf sich auf seinen Verdiensten nicht ausruhen, meint Benenson. Es sollte seine Aktivitäten gegen die Folter nicht auf Regierungen beschränken, sondern auf Gruppen wie beispielsweise die IRA ausdehnen; und es sollte mehr Druck auf Regierungen ausüben, Asyl zu gewähren.