Um das englische Landschloß Burghley House zu erhalten, läßt Her Ladyship Werbesponsoren in die herrschaftlichen Gemächer

Von Peter Sager

Meile um Meile ziehen sich die Mauern rings um den Park, fast gänzlich ohne Mörtel geschichtet. Hinter diesen drystone walls, im Schatten alter Eichen und Linden, grast Rotwild in großer Zahl und großer Ruhe. Auf einer leichten Anhöhe liegt Burghley House, gekrönt von Türmen, Kuppeln, Obelisken und Balustraden, ein unvergeßlicher Anblick. Aus dieser Dachlandschaft ragen zahllose toskanische Säulen empor, Schornsteine in klassischer Verkleidung. "Looks more like a town than a house", bemerkte Daniel Defoe angesichts der dramatischen Silhouette von Burghley.

Dies ist eines der größten und großartigsten elisabethanischen Landschlösser Englands, erbaut zwischen 1555 und 1587 für William Cecil, Lord Burghley, und Statussymbol des mächtigsten Politikers am Hofe Elizabeths I. Von Beginn ihrer Regierungszeit an war er vierzig Jahre lang der einflußreichste Berater der Königin, zunächst als Erster Minister im Kronrat, dann als Schatzkanzler bis zu seinem Tod 1598. Indes konnte auch Sir Spirit, wie die Königin ihn nannte, die hohe Inflation und Staatsverschuldung nicht verhindern. Die Reichen zahlen zuwenig Steuern, klagte der ehrenwerte Lord, selber einer der größten Steuerhinterzieher des Landes. Von seinen Jahreseinnahmen von 4000 Pfund, damals eine stattliche Summe, gab er zeitlebens nur 133 Pfund an.

An dem Ort, von dem sein Titel stammt, gründete Lord Burghley eine Dynastie, deren Nachfahren bis heute dort leben. Ein junger Butler im Stresemann führt mich in den türkisblauen Empfangssalon von Lady Victoria Leatham, der Hausherrin von Burghley. Her Ladyship trägt einen verwaschenen Jeansrock und eine geblümte Baumwollbluse. Zu ihren Füßen liegt Raven, ein rabenschwarzer Labrador. "Der Teil des Hauses, in dem wir jetzt sitzen, gehört zu Cambridgeshire, der andere zu Lincolnshire. Je nachdem, in welchem Raum ein Mitglied der Familie stirbt, muß man wegen der Todesurkunde entweder nach Peterborough fahren oder nach Lincoln."

Nicht an den National Trust

Sie war noch ein Kind, als ihr Vater, der 6. Marquess of Exeter, 1956 das Erbe von Burghley antrat. "Das Haus hatte noch keine Elektrizität, nur Gasbeleuchtung. Die Leitungen waren undicht, überall roch es nach Gas. Mein Vater hatte ein bankrottes Gut übernommen, in England herrschte Depression, viele große Landsitze kamen damals unter den Hammer. Doch wir gaben nicht auf. Wir mußten wertvolle Kunstwerke verkaufen: einen wunderbaren Poussin, chinesisches und japanisches Porzellan, hugenottisches Silber. Die Erbschaftsteuern waren einfach enorm, absolutely appalling."