Selbst für Investoren ohne großes Einkommen oder Vermögen gibt es attraktive Steuersparmodelle. Doch gerade diese Möglichkeiten werden jetzt von Bundesfinanzminister Theo Waigel beschnitten, während andere, weniger empfehlenswerte Modelle unangetastet bleiben.

So dürften den Anlegern schon bald die attraktiven Steuervergünstigungen für Berlin-Darlehen verlorengehen, weil die Berlin-Förderung nach und nach abgebaut wird. Deutsche Steuerzahler können diese Darlehen 8 bis 12 Jahre, beziehungsweise 25 Jahre, einer dafür zugelassenen Berliner Bank gewähren; sie erhalten dafür einen Steuerbonus von zwölf beziehungsweise zwanzig Prozent. Unabhängig vom eigenen Einkommen und Spitzensteuersatz – der Steuervorteil wird unmittelbar von der Einkommensteuerschuld abgezogen – sind Berlin-Darlehen durchaus lukrative Steuerschnäppchen. Das „Aus“ ist aber programmiert, und Alternativen stehen noch nicht zur Diskussion. Das trifft vor allem Kleinsparer, für die ein Berlin-Darlehen oft das einzig mögliche Steuersparmodell war. Wegen der kalkulierbaren Rückzahlung, den gesicherten Steuervorteilen und der akzeptablen Verzinsung konnten selbst Anleger mit einem Steuersatz von nur zwanzig Prozent von der bisherigen Insellage Berlins profitieren.

Auch andere Steuerschlupflöcher werden vermauert. Mit einer Halbierung der Steuervorteile für Bauspareinzahlungen trafen Minister Waigels Beamte ebenfalls die Sparer mit kleinem Geldbeutel. Auch die Selbständigen, die den Bausparvertrag als Vorsorgeplan einer langfristigen, steuerlich begünstigten Kapital-Lebensversicherung vorzogen, haben das Nachsehen; sie dürfen jetzt nur noch die Hälfte ihrer Aufwendungen steuerlich geltend machen. Und: Immer weniger Bundesbürger können wegen ihres gestiegenen Einkommens die – ohnehin drastisch zusammengestrichene – staatliche Sparförderung nutzen. Hingegen profitieren die Anleger nach wie vor von der vollen Abzugsfähigkeit der Versicherungsbeiträge.

Bei den Lebensversicherungen winken tatsächlich noch echte Steuervorteile. Nach dem Protest der Assekuranzbranche gegen die bald wieder abgeschaffte Quellensteuer bleibt die Versicherungswirtschaft jetzt von Steuerabzügen weitgehend verschont und kann damit absahnen wie schon lange nicht mehr.

Würde eine Bank ihren Sparern lediglich 3,5 Prozent Guthabenzins versprechen und den restlichen Ertrag „abhängig vom Geschäftsverlauf machen, liefen Verbraucherschützer und Politiker sicherlich Sturm. Macht das gleiche aber die Versicherungswirtschaft, wird sie wegen ihrer „Bedeutung als wichtiger Teil der Altersversorgung“ mit Steuervorteilen belohnt.

Die Zeche zahlt letztlich der Bundesbürger, denn die Steuervorteile hinterlassen eine Lücke in der Bonner Kasse. Die Vertreter der Versicherungsgesellschaften jedoch können ihre Ware als „steuerbegünstigt“ anpreisen. Sie nutzen geschickt aus, daß viele Bundesbürger – zumal nach den jüngsten Steuererhöhungen – beim Wort „Steuervorteil“ sofort hellhörig werden.

Mit dieser Zauberformel verkaufen clevere Anlageberater jedoch auch vieles, was sonst kaum abzusetzen wäre. Zum Beispiel Immobilien, wenngleich die Zeiten von Bauherrnmodellen vorbei sind. Der Wohnungsmangel ist groß. Da erscheint es sinnvoll, daß an und für sich abbruchreife Objekte wie zum Beispiel die Wohnsilos abziehender amerikanischer Soldaten auf Vordermann gebracht werden. Weil sich aber bei geschickter Kombination der Werbungskosten und der Abschreibungen satte Steuervorteile ergeben, achten potentielle Käufer häufig nicht mehr so genau auf den eigentlichen Kaufpreis. Und das nützen die Anbieter aus. Statt 2500 Mark je Quadratmeter Wohnfläche werden dann schnell 4000 Mark oder noch mehr verlangt – und von den Kunden bezahlt. Auch die Werbungskosten werden künstlich hochgepuscht. Und kaum ein Anleger bedenkt dabei, daß Verluste auch nach Steuern noch Verluste bleiben.