Können direkte Subventionen für Arbeitsplätze einen Kollaps der Ex-DDR verhindern?

Von Nikolaus Piper

Nehmen wir an, ein Eisenwarenhändler bietet eine Schaufel im Sonderangebot feil. Einzige Bedingung: Der Käufer muß dem Schwager des Händlers in seinem Betrieb mit Hilfe der Schaufel Arbeit verschaffen – und zwar zu einem Lohn, der weit über dem wirtschaftlich Vertretbaren liegt. Es ist offensichtlich, daß der Händler keine Chance hat, sein Werkzeug jemals zu verkaufen.

Das geschilderte Gedankenexperiment findet sich in einer neuen amerikanischen Studie über die wirtschaftliche Lage Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung. Die Autoren, George Akerlof und drei weitere Ökonomen der University of California in Berkeley, wollten damit die vertrackte Lage schildern, in der sich die Berliner Treuhandanstalt bei der Privatisierung der ehemaligen Volkseigenen Betriebe befindet: Grundstücke und Altanlagen zum Schrottwert zu verkaufen wäre leicht. Schwierig ist der Verkauf deshalb, weil die Treuhandanstalt vom Käufer eine unternehmerische Konzeption für den existierenden Betrieb und seine Belegschaft erwartet. Beim Zustand der Maschinenausstattung und den inzwischen geltenden Löhnen ist der Wert der meisten ostdeutschen Unternehmen jedoch negativ: Die Treuhandanstalt müßte beim Verkauf noch draufzahlen.

Die Berkeley-Studie, vorgelegt auf einer Konferenz des konservativen amerikanischen Brookings-Instituts in Washington, macht auch einen Vorschlag, wie die Situation zu lösen wäre: Der Eisenwarenhändler müßte sich bereit finden, dem Käufer der Schaufel einen Teil des Lohnes zu bezahlen, wenn dieser tatsächlich seinen Schwager beschäftigt. Dies kostet ihn zwar zunächst Geld; einen Teil der Aufwendungen kann er jedoch bereits beim Kaufpreis wieder realisieren, vor allem aber ist er die Sorge um den Lebensunterhalt seiner Schwester und deren Familie los.

Übertragen auf die Treuhandanstalt bedeutet dies: Die Bundesregierung kann die Situation im Osten entscheidend entschärfen, wenn sie den dortigen Unternehmen flexible Lohnkostenzuschüsse bezahlt, und zwar in dramatischer Höhe. Übernimmt der Staat im Osten drei Viertel der Lohnkosten, so die Forscher, kann er für 77,2 Prozent der Arbeiter und Angestellten in den ehemaligen Kombinaten zunächst einmal die Beschäftigung sichern. Zu Beginn dieses Jahres hatten gerade noch 8,2 Prozent einen rentablen Arbeitsplatz. Durch den Wegfall von Arbeitslosen- und Kurzarbeitergeld sowie durch höhere Privatisierungserlöse, könnte der Staat mit Hilfe dieser Subvention sogar noch Geld sparen. Die Zuschüsse sollten automatisch gegen null sinken, wenn sich die Ostlöhne dem Westniveau angleichen. Daher ihr bombastischer Name: Self-Eliminating Flexible Employment Bonus (Sefeb).

Zuschüsse auf Zeit