Seit Jahren gehen die Besucherzahlen in Rumänien und Bulgarien drastisch zurück. Jetzt sehen die Schwarzmeerländer einen Hoffnungsschimmer: Sie setzen auf Privatisierung und Billigangebote.

Das waren noch Zeiten, als Anfang der achtziger Jahre jeden Sommer über eine halbe Million Westdeutsche und noch mal so viele DDR-Touristen sich an den Stränden des Schwarzen Meeres tummelten. Günstige Preise lockten vor allem kinderreiche Familien nach Mamaia in Rumänien oder Druschba in Bulgarien. Doch sozialistisches Mißmanagement und muffeliges Personal ließen immer mehr Besucher abspringen. Seit fünf Jahren sinken die Buchungszahlen für Bulgarien kontinuierlich. Besonders drastisch wurde es nach den politischen Umwälzungen in den beiden Ländern. In Rumänien blieben die Touristen, durch die schlechte Versorgungslage und die blutigen Unruhen geschockt, ganz weg.

Nur noch 1229 Personen flogen 1990 mit dem Veranstalter ITS nach Rumänien, Anfang der achtziger Jahre waren es 70 000 Gäste gewesen. Längst bedeutet das Rumänien-Geschäft für die großen Reiseveranstalter nur Verlust. Reise-Riese TUI strich Rumänien bereits 1986 aus seinem Programm. ITS, NUR oder Hansa-Touristik halten dem Land nur in Gedenken an frühere, gute Geschäfte und in Hoffnung auf bessere Zeiten bislang die Treue.

Optimistisch zeigt sich der Leiter des rumänischen Fremdenverkehrsamtes in Düsseldorf, Roman Ruleacov. Erstmals habe man in diesem Jahr wieder ein Plus bei den Pauschalreisebuchungen verzeichnet. Cornel Grigorut, Staatssekretär im rumänischen Ministerium für Handel und Tourismus, bemüht sich derweil in Deutschland, sein Land für ausländische Investoren attraktiv zu machen. Er setzt auf Privatisierung und Joint-ventures, um die heruntergewirtschafteten Hotels wieder flottzumachen.

Das Personal soll künftig in Deutschland geschult werden, die Hotels bieten auch im Sommer Kinderrabatte bis zu hundert Prozent. Die Versorgung der Touristen sei gewährleistet, versichert der Staatssekretär. Alle Unternehmen dürfen ihre Deviseneinnahmen zur Hälfte behalten. Sollte es einmal Engpässe geben, etwa beim Bier, könnten die Hotels die Waren nun mit ihren Devisen rasch und unbürokratisch im Ausland besorgen. Auch für Individualtouristen soll das Reisen attraktiver werden. Privatunterkünfte sind mittlerweile erlaubt, vom 3. Juli an können Touristen alles in rumänischen Lei bezahlen – zum günstigen Wechselkurs (1 Mark : 35 Lei).

Nicht ganz so dramatisch ist die Lage in Bulgarien. Das Land sei viel besser als sein Ruf, loben die Anbieter TUI, ITS, NUR und Hansa-Touristik übereinstimmend. Hier stimme das Preis-Leistungs-Verhältnis, der Service sei erheblich besser geworden, und es gebe keine Versorgungsschwierigkeiten. Ein weiteres Argument: Kaum ein Land sei so billig in den Nebenkosten, gewähre so hohe Rabatte für mitreisende Kinder wie Bulgarien.

Jetzt erwarten die Veranstalter, daß viele Adria-Urlauber angesichts der politischen Wirren im Billig-Reiseland Jugoslawien an die Schwarzmeerküste ausweichen werden. Die Rechnung scheint aufzugehen. Noch im Februar sahen die Prognosen düster aus, gingen die Buchungen weiter zurück. Doch seit einigen Wochen registrieren die Veranstalter unerwarteten Auftrieb. „Die Buchung läuft gut, aber die Bettenkapazität reicht nicht“, klagt Ivan Simeonov, Leiter des bulgarischen Fremdenverkehrsamtes in Frankfurt. Aus Angst vor weiteren Verlusten hatten einige Veranstalter ihre Bettenkontingente noch im Frühjahr 1991 erheblich reduziert.