Von Viola Roggenkamp

Frauen sind komisch. Das ist nicht neu? Anders komisch als bislang gewohnt. Nicht der verbitterte Hausdrachen, das Nudelholz schwingend, oder das großbusige Dummchen hinter der Schreibmaschine bezeugen, daß Frauen geborene Komikerinnen sein können. Diese Witzvorlagen sagen eher etwas aus über die komische Begabung ihrer Erfinder. Doch wer fällt uns noch ein, wenn wir jetzt nicht gleich wieder alle an Hella von Sinnen denken? Marlene Jaschke aus dem Schmidt-Theater in Hamburg-St. Pauli, deren Begabungsschwerpunkt eindeutig in ihrem vom wollenen Kostümrock umzwängten Hintern steckt. Wie sie sich bewegt, wie sie sich auf die Sitzfläche eines Sessels herunterschraubt, darin liegt die ganze kleine Welt dieser gediegenen, dreist-schüchternen Frau. Wer noch?

Ja, wie heißt sie noch? Diese ungestüme, munter vor sich hinschwadronierende, schwarzhaarige Dicke, die im NDR-III-Magazin Das die Presseschau macht? Sie heißt Ruth Rockenschaub und arbeitet seit Jahren im Hörfunk als Sprecherin, wo offensichtlich niemand ihr komödiantisches Talent entdecken konnte. Nun ist sie doch entdeckt, sitzt in Das-Fernsehstudio, telephoniert noch rasch mit der Freundin, bevor ihre Presseschau offiziell beginnt, frißt dabei pausenlos und krachend Kartoffelchips vor Mikrophon und laufender Kamera und erzählt, was sie gelesen hat und wer wieder mit wem und warum. Ein absolut vergnüglicher Überblick über die Illustrierten- und Boulevard-Presse, die niemand liest und alle kennen.

Zwei Frauen, zwei Freundinnen treffen sich und reden über die Aktionen zum Golfkrieg. Die eine friedenskämpferisch glänzend, die andere gedämpft wie durch einen Grauschleier. "Ich habe auf Bettücher große Worte geschrieben und die aus dem Fenster gehängt. Du auch?" – "Nein." – "Wieso nicht?" – "Ich habe Spannbettlaken." Frauenfeindlich? Friedensfeindlich? Friedensfrauenfeindlich? Gerburg Jahnke und Stephanie Überall, zu deren Repertoire diese kleine Szene gehört, sind Kabarettistinnen, Komikerinnen, Darstellerinnen und nennen sich "Theater Missfits". Sie sind Feministinnen, und das beste, was sich dazu sagen läßt, hat Julia Kossma in der taz geschrieben: "Sie dürfen stolz darauf verweisen, sowohl als feministisch verschrien zu sein als auch von Feministinnen verrissen zu werden." Beide Frauen sind hochprofessionell, genau, diszipliniert, trainiert, komisch, pointiert. Sie erarbeiten perfekte Choreographien und Szenen, können improvisieren und schreiben ihre Texte selbst; die entstehen in harter Probenarbeit, denn Kabarett gehört zum Schwersten.

Es begann vor acht, neun Jahren mit Straßentheater auf den Campingplätzen der Provence. Eine harte Schule, denn waren sie langweilig, gingen die Leute einfach weiter, und sie verdienten nichts. Damals fuhren sie noch zu fünft mit "Annette", der umgebauten VW-Bussin, durch Frankreich. Die harte Zeit überlebte allein das Kabarett-Duo Jahnke/Überall und nannte sich fortan "Missfits" nach dem Monroe-Film "Misfits – nicht gesellschaftsfähig". Über das hintergründig hinzugefügte zweite "s" stolpert Gerburg Jahnke inzwischen: "Wir haben aber jetzt einen Namen. Diesen Namen. Doch daß meine Mutter immer Miss Fits sagt, macht mich rasend."

Mit ihrem eher nebenher produzierten Nummern-Programm "Eine Frau ist eigentlich ein Mann, nur eben ein weiblicher" eroberten sie das Publikum. Glanznummer darin ist Stephanie Überalls Solopart "Die Femini-Spräch", eine Parodie auf die feministische Kritik an der Männersprache, dazu ein zungenakrobatistischer Männerakt in der Rolle der Dozentin Gsielinde Geisiemeisie (G-er-linde Gei-er-mei-er). Gerburg Jahnke ist öfter mal der Typ Doris Day aus der Lindenstraße und darin auch als die neue Frauenministerin Raff-Rödl so glaubwürdig wie das Bonner Dreigestirn zusammengenommen. Ihr Rundfunk-Interview mit dem Reporter ist zudem eine frue enkabarettistische Recherche aus der Männerwelt. Stephanie Überall als hochneurotischer Star-Journalist, der sich über sein aufgerichtetes Mikrophon beugt: "Fassen Sie das nicht an! Das ist hochempfindlich!"

1990 war mit rund 200 Live- und 15 Fernsehauftritten ihr bislang erfolgreichstes Jahr. Leser und Leserinnen der Zeitschrift Prinz wählten "Missfits" zu den "Frauen des Ruhrgebiets 1990", denn daher kommen beide. Beim Sender Freies Berlin haben sie Dreharbeiten zu einer satirischen Familienserie begonnen. Und seit Februar 1991 sind sie wieder auf Tournee, bis Juni 1992. Ihre neueste Kabarett-Produktion heißt schlicht: "Die Frau in den besten Jahren". Start und Endstation ist Stuttgart, Dazwischen liegen Köln vom 18. bis 21. Juni in der Comedia Colonia, Leipzig am 2. Juli im Akademixer Keller, Essen am 9. und 10. Juli beim Festival "Theater der Welt", Berlin am 30. und 31. August auf der Funkausstellung, München vom 2. bis 14. September zu Gast in der Lach- und Schießgesellschaft, am 19. Oktober im Jugend-Freizeitzentrum in Tönisforst (das muß auch sein), am 1. Dezember im Stadttheater von Konstanz und vom 15. bis 28. Juni 1992 im Renitenztheater in Stuttgart.