Seit langem, spätestens aber seit Habermas, sind wir für Gerechtigkeit – auch im „außermoralischen Sinne“, wie der Lateiner sagt. Deshalb müssen wir, obwohl und Gott sei Dank gerade weil auch der diesjährige Muttertag, hach!, schon wieder vorbei ist, nachträglich protestieren: außer- und müttermoralisch.

Und wogegen? Gegen eine Anzeige, die letzte Woche (also 1 Woche post Muttertagem) in einflußreichen Blättern (also auch der ZEIT) für „Muttertagskarten“ warb, erhältlich zusammen mit der Kampfschrift „Die Stimme des Ungeborenen“ von Prof. Dr. Rudolf Völker beim Verlag Human Life Foundation in 4970 Bad Oeynhausen. Wo sonst?

Zurück zur Sache. Auf den Muttertagskarten nämlich, deren Inhalt die Oeynhausener uns leider nicht vorenthalten, wird zuerst „Allen Müttern“ im allgemeinen für ihre Leistungen gedankt, dann aber im besonderen (und darauf kommt es an!) nur ein paar wenigen, i.e. (wir zitieren auszugsweise) „den Müttern von Mozart, Beethoven, Bach, Kant, Michelangelo, Menuhin, Anne Sophie Mutter (!), Wilhelm Kempff (!!), Mutter Theresa, Moses, Buddah (!!!), Mohammed und Jesus“.

Aber, aber, liebe Jumen Leif Faundeeschen, wo bleibt da die Parität? Was ist mit den Müttern von Nero, Dareios III., Bokassa, Hitler, Pinochet, Doc Duvalier und Saddam „Adolf“ Hussein? Haben nur die „guten“ (weil gutesgebärenden) Matronen Zutritt ins Mütterhimmelreich samt Grußpostkarte? Sollen die Mörder-Mütter etwa durch moralische Indikation aus unserer fröhlichen Muttertagsgemeinde ver- und abgetrieben werden?

Gerechtigkeit muß sein, in Bad Oeynhausen genauso wie anderswo. Wer A-Mutter sagt, muß auch B-Mutter sagen! Denn: „Was wäre die Welt ohne diese Menschen und ihre Mütter, die es nie in Frage gestellt haben, ob sie ihre Kinder trotz der sozialen Nöte dieser Zeit nicht schon in der ersten Phase ihres Seins ‚wegmachen‘ lassen dürften?“ Ja, was wäre die Welt?

Und was wäre die ZEIT ohne ihre Anzeigen? Mutterlos. Deshalb wird ab sofort zurückgemuttert: Ab nächster Woche beginnt an dieser Stelle die aktuelle Serie „Mütter und Mächte“, ein Sittenbild in achtundsechzig Teilen. Erste Folge: „Mein Sohn, der Papst“, oder: Die Wehen der Frau Wojtyla“. Weh, weh! Finis