Und ihre Zahl ist Legion“, wird man bald sagen können beim Anblick der steigenden Fluth von Schriften für und gegen das Frauenstudium. Auf der einen Seite die Vertreter der „guten alten Zeit“, welche alle Schuld in der modernen Erziehung suchen und alles Heil von der Rückkehr zu stiller bescheidener Weiblichkeit erwarten, auf der anderen die Vorkämpfer und Vorkämpferinnen der Emanzipation mit dem Anspruch der Gleichberechtigung, weil Gleichbefähigung der Frauen zu jedem wissenschaftlichen Berufe.

Wo solche Extreme gegeneinander stehen, thut verständige Vermittlung noth, denn nur durch sie wird das Erreichbare bestimmt und vertreten. In diesem Sinne hat sich auch die „Gartenlaube“ ausgesprochen. Als ein weiteres höchst beachtenswerthes Mahnwort zur Mäßigung nach beiden Seiten ist neuerdings eine kleine Schrift unter dem oben genannten Titel von Dr. Philadelphos erschienen. Sie stellt alle Hauptpunkte der Frauenfrage richtig und bezeichnet die beiden Ziele, welche allein mit Aussicht auf Erfolg anzustreben sind: das erweiterte Lehrfach für Frauen und die weibliche Arztesthätigkeit für das eigene Geschlecht, die Kinder und weiblichen Irren.

In ruhiger und klarer Weise knüpft der Verfasser diese Forderungen der Neuzeit an die von alters her dem weiblichen Geschlecht zugeschriebene Fähigkeit zur Krankenpflege und Kindererziehung an, indem er treffend nachweist, daß veränderte Zeiten veränderte Lebensformen fordern. Auch der so oft wiederholten Behauptung tritt er entgegen, daß die moderne Erziehung allein die seltenere Eheschließung verschulde, indem er mit Beziehung auf die von den Emanzipierten immer so hartnäckig außer acht gelassenen Klöster des Mittelalters den Frauenüberschuß auch jener Zeiten nachweist und den sehr richtigen Satz ausspricht: „Die Stellung des unverheirateten Weibes liegt in der Kulturentwicklung der Menschheit so tief begründet, daß sie bei näherer Betrachtung als notwendige Ausnahme in der Gesellschaft erkannt werden muß.“ Hieraus aber folgen die Pflichten der Gesellschaft für die dem Ganzen dienenden Einzelnen von selbst.

Es sind in vorliegender Schrift so viel gute Gedanken ausgesprochen im Gegensatz zu den anderwärts mit ermüdender Einförmigkeit wiederkehrenden Argumenten, daß wir sie alle denen zur Kenntnißnahme empfehlen, welche zu der schwierigen Frauenfrage öffentlich oder privatim Stellung zu nehmen hatten. Die Schlußvorschläge halten sich auch nur an das Einfache, Erreichbare, und es gehört keine große Prophetengabe dazu, um zu sagen: dies wird verwirklicht werden, denn das Bedürfnis der Zeit drängt dazu!

Fußfrei

Eine neue Schlacht im Krieg gegen die Straßenschleppe hat die Gemeindeverwaltung von Meran geschlagen, mit siegreichem Erfolg. Die Belästigung durch die staubaufwirbelnden langen Kleider der Damen wurde dort namentlich für die Kranken eine unerträgliche. Die Gemeinde ließ einfach überall die Promenadeordnung anschlagen mit besonderer Betonung des Paragraph 3, welcher lautet: „Die Damen werden höflichst ersucht, sich auf den Promenaden fußfreier Kleider zu bedienen, um das Aufwirbeln des Staubes zu verhindern.“ Wer sich dieser Vorschrift nicht fügte, wurde von den Aufsichtsorganen auf die Verfügung aufmerksam gemacht. Die Schleppen verschwanden allmählich auf den Promenaden, die Damen überließen das Geschäft des Staubaufwirbelns dem Winde. Vielleicht entschließen sich die einsichtigen Vertreterinnen des Geschmacks auch in anderen Städten zu einem ähnlichen Verzicht und beseitigen so endgültig dieses große Stück – „Frauenfrage“.