Dresden rechnet in diesem Jahr mit 2,2 Millionen Besuchern. Die aber werden sich schwertun unterzukommen. Elbflorenz verfügt nur über 1500 annehmbare Hotelbetten.

Ulf Göpfert, Referent für Kultur und Tourismus bei der Stadt Dresden, freut sich: „Das hilft uns wenigstens etwas weiter!“ Was ihn freut, sind fast 200 neue Betten am Altstadtufer der sächsischen Metropole: Die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt AG, die neuerdings auch Kreuzfahrten auf der Elbe anbietet, hat unweit der Rudolf-Friedrichs-Brücke und gleich gegenüber dem Amtssitz des sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf ein 110 Meter langes Schiff vertäut. Die einstige Nederland, die auf dem Rhein zu Hause war, heißt nun als Referenz an den neuen Standort Elbresidenz und fungiert als Hotel.

Dem Schiff, das auch Restaurants, Tagungsräume und ein kleines Schwimmbad an Bord hat, sollen bald weitere Hotels auf dem Wasser folgen. Denn in Dresden sind Gästebetten knapp. „Wir haben zur Zeit nur etwa 1500 einigermaßen passable Hotelbetten – und von denen sind auch noch viele von Geschäftsleuten als Dauergästen blockiert“, lamentiert Göpfert und bedauert, daß an Land mit Hotelneubauten so gut wie nichts läuft.

An interessierten Investoren mangelt es nicht: Rund 200 Gesellschaften würden in Dresden lieber heute als morgen ein neues Hotel bauen. Daß die vielen Pläne nicht vom Fleck kommen, liegt auch hier an den ungeklärten Eigentumsfragen bei den Grundstücken. Göpfert: „Die Stadt kann da so gut wie mit gar nichts dienen.“

Wieder im Gespräch ist jetzt ein Projekt, das schon seit Jahrzehnten in Dresden diskutiert wird. Dabei geht es um Luxus hinter uralten Mauern: Die Kempinski-Hotelgesellschaft hat einen Quasi-Zuschlag für ein Tophotel in den Ruinen des Taschenbergpalais bekommen. Der vom Zwinger-Architekten Pöppelmann zwischen 1707 und 1711 errichtete Barockbau war im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt. Ob Kempinski hier wirklich aktiv wird, ist allerdings fraglich. Zum einen hätten die Denkmalschützer eine Menge mitzureden, zum anderen würde sich das Projekt wohl kaum lohnen. Die ursprünglich gleichfalls interessierte amerikanische Ritz-Carlton-Kette hat bereits abgewunken.

Vorerst werden anspruchsvolle Reisende wohl oder übel weiter um die Betten in den beiden zur Interhotel-Kette gehörenden Häusern „Bellevue“ und „Dresdner Hof“ rangeln müssen. „Und an Besuchern erwarten wir in diesem Jahr etwa 2,2 Millionen“, hat Dezernent Göpfert ausgerechnet.

Seine Vorgänger hatten stets sogar mit jährlich mehr als sechs Millionen Gästen geprahlt. „Die haben einfach die verkauften Eintrittskarten für die Museen der Stadt addiert und übersehen, daß viele Besucher mehrere Museen besichtigen“, erklärt sich Göpfert den Rechenfehler.