Wie es war beim ersten Mal? Nun, unsere Erinnerung gibt dazu eigentlich recht wenig her. Irgendwann in den glücklichen Jahren zwischen Kommunion und Jugendschwimmschein muß es gewesen sein. Es war ein Samstagabend, kurz nach sechs, ahnungslos auf dem Sofa sitzend, guckten wir noch ein bißchen fern. Plötzlich – wir meinen, uns an Fanfarenstöße erinnern zu können – war er da, ein freundlicher Herr mit rundem Kopf und strengem Scheitel: Ernst Huberty mit seiner Sportschau, unsere erste von allen.

Zugegeben, die Behauptung, daß wir Ernst Huberty und seiner Sportschau sogleich verfallen wären, ginge etwas an der Wahrheit vorbei. Fritz Benschers Tick-Tack-Quiz beispielsweise schien zunächst noch von höherem Reiz. Doch mit den Jahrzehnten lief alles mehr und mehr auf Ernst Huberty hinaus. Wir wuchsen heran, wechselten vom Ranzen zum Köfferchen, die Sportschau hielt stand. Keine Fisimatenten, auf sie war Verlaß.

Jetzt also wird sie dreißig. Wer mitgezählt hat, der weiß, es ist die 4463. Sportschau, die am kommenden Wochenende zur Ausstrahlung gelangt. Stellvertretend für Millionen deutscher Männer möchten wir aus diesem Grund für einen Moment innehalten. Man muß es mal sagen, wir empfinden Dankbarkeit.

Und gestehen wir es ruhig: Es sind ja nicht nur diese Berichte über den Fußball. Wo sonst, wenn nicht am Samstagabend kurz nach sechs, ist der Mann noch ganz bei sich selbst. Wagen gewaschen, Rasen gemäht, Sportschau. Telephone verstummen; von ärgerlichen Ausnahmen abgesehen, ruft in der nächsten knappen Stunde keiner mehr an. Wir kommen zur Ruhe. Hausse oder Baisse, Pampers oder Penatencreme, die Dinge ordnen sich, wir nehmen ein Kissen, im Studio steht Werner Zimmer, und alles ist gut.

Doch halt, keine Freude ohne Schatten. Vor allem jene Männer im sportschaufähigen Alter, die infolge eines Auslandsaufenthaltes womöglich die letzten 300 oder 500 Sendungen versäumten, werden fragen: „Und wo ist Ernst Huberty?“

Um es kurz zu machen, er ist nicht mehr dabei. Warum, wir wissen es nicht, wir wollen es auch gar nicht wissen. Man hat ihn vom Feld genommen, den Guten, ihn im intimen Zirkel des dritten Programms noch ein wenig wirken lassen, dann ist er gegangen. Ohne Abschied, ohne Dank, einfach so.

Ein trauriges Ende, das unrepräsentativen Umfragen zufolge immer mehr Zuschauer nur ungern hinnehmen. Wie es heißt, will sich die Sportschau zum Dreißigsten ausgiebig feiern (Rosi Mittermaier, Helmut Kohl und so weiter). Darf Ernst Huberty auch kommen? Eine kleine Party zur Versöhnung? Er hätte es verdient. Und auch wir, nach all den Jahren.

Hanns-Bruno Kammertöns