DIE ZEIT

Wohin mit der Hauptstadt?

Auch Zyniker können irren. Nach einem halben Jahr der Diskussion interessiere die Hauptstadtfrage niemanden mehr, so meinte einer von ihnen neulich; also gewinne Berlin.

Wo nicht hin mit der Bundeswehr?

Unter normalen Umständen müßte man sich jetzt kräftig die Augen reiben. Da verkündet der Verteidigungsminister die Auflösung von 213 Militärstützpunkten, schießt die Zahl der Wehrdienstverweigerer auf Rekordhöhe, müht sich die Nato um eine Antwort auf die strategische Revolution im Ost-West-Verhältnis – aber deutsche Politiker haben nichts Wichtigeres zu tun, als über das Ob und Wie deutscher Militäreinsätze in künftigen Krisen der Dritten Welt zu streiten.

Worte der Woche

"Wer wie Kohl glaubt, innerhalb von drei Jahren ließe sich in den neuen Bundesländern eine Wirtschafts- und Industriestruktur aufbauen, wie sie in den alten Bundesländern besteht, ist ein armer Phantast.

Zeitlese

Wie entsteht ein Formular? Auch nach mehreren Telephongesprächen mit Bonn war nicht herauszubringen, wer sich im Bundesministerium für Arbeit und Soziales den folgenden Text ausgedacht hat: "Ich bin nicht bereit, jede zumutbare Arbeit anzunehmen oder an zumutbaren Bildungsmaßnahmen teilzunehmen.

Zwangsadoptionen: Dokumente des Unrechts

Der Unrechtsstaat legte alle Dokumente seines Handelns zu den Akten: den Schießbefehl seiner Führung, die Protokolle des Verfolgerwahns seiner Spitzel, die von Ärzten verwaltete Psychofolter politisch "Paranoider".

Bundeswehr: Abwicklung West

Zum ersten Mal zieht die Wiedervereinigung nun auch in Westdeutschland ein Stück Abwicklung nach sich: Die Bundeswehr muß verkleinert, eine Reihe von Standorten aufgelöst werden (nach Stoltenbergs Plänen 213 von 688, darunter 151 Kleinststandorte).

KOLUMNE: Gorbatschow helfen

Der größte russische Fabeldichter Iwan Krylow (1768 bis 1844) erzählt in einer seiner Fabeln, wie ein Schwan, ein Krebs und ein Hecht versuchten, einen Wagen fortzubewegen, was natürlich mißlang.

Rückblick: Operation Salomon: Luftbrücke nach Israel

Noch ehe die Rebellen den Ring um die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba geschlossen hatten, waren sie schon in Sicherheit: 15 000 Falaschen, von Israel in einer Blitzaktion aus dem umkämpften Land am Horn von Afrika geholt.

Bonner Bühne: Wie auf dem Basar

Dies ist eine Geschichte, wie Bonn sie schreibt. Es geht um einen Familienstreit, der sich seit nahezu einem Jahr hinter den Kulissen der Universität abspielt.

Weltbühne: Der König von Jerusalem

Ein Mann von Welt: Die Schaukästen im Rathaus von Jerusalem bersten fast vor Geschenken, Preisen und Ehrengaben aus aller Welt für den Hausherrn, der am vergangenen Montag achtzig Jahre alt geworden ist.

Das Ende des indischen Traums

Unter dem weißglühenden Sommerhimmel von Delhi warten Tausende hagerer Männer auf ein politisches Ereignis. Ihre Kleider sind ausgeblichen, ihre Turbane zerlumpt.

Geistiger Bürgerkrieg

"Die Kirche darf sich nicht auf die Krücken staatlicher Privilegien stützen und – wie im Westen – an der Macht partizipieren.

Konkurrenz der Cliquen

Die selbstgefällig auf ihren Binnenmarkt blickenden Europäer müssen sich auf eine neue amerikanische Herausforderung einstellen.

Krieg der Nadelstiche

Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann versucht, Finanzminister Theo Waigel in die Ecke zu drängen

Zum Tode von Wolfgang Krüger

Eigentlich hatte er Musiker werden wollen. Doch die Töne aus seiner Violine, die im ostpreußischen Heimatdorf eine große Karriere zu versprechen schienen, erwiesen sich später, im Königsberger Konservatorium, eben doch als eher durchschnittlich.

Bonner Kulisse

Auf eine Rüge von Kanzler Helmut Kohl muß sich der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Jochen Borchert, einstellen.

Fritz Vorholz:: Schrecken ohne Ende

Ein jährlich wiederkehrendes, ärgerliches Ritual ist für 1991 zu Ende gegangen: das wochenlange Feilschen von zwölf hochbezahlten Agrarministern der Europäischen Gemeinschaft darüber, wie Verbraucher und Steuerzahler in den kommenden Monaten zugunsten weniger Großbauern und einiger Fabriken der Nahrungsmittelindustrie zur Ader gelassen werden sollen.

Bauchlandung des Bond-Konzerns: Nur die halbe Wahrheit

Es ist schlimm für die privaten Anleger, aber auch für den ganzen Kapitalmarkt, daß jetzt über diesen Scherbenhaufen entschieden werden muß", klagt Peter Staab von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf.

ZEIT / Südprojekt-Prognose: Die deutschen Zinsen bleiben hoch

Schuldenmachen bleibt eine teure Angelegenheit, niedrigere Zinsen sind nicht in Sicht. Zwar hatten nachgebende Renditen am Anleihemarkt und Zinssenkungen in vielen europäischen Nachbarländern die Hoffnung genährt, auch in Deutschland könnten die Zinsen nachhaltig fallen.

Ausländer schoben an

Völlig überraschend sind die deutschen Aktienkurse ins Klettern geraten. Mit beträchtlichen Umsätzen erreichte der Deutsche Aktienindex (Dax) neue Jahreshöchststände.

Trick mit Hintersinn

Die Kompetenzen der Ländervertretung sind allerdings begrenzt. Ein echtes Mitsprache- und Vetorecht hat sie nun bei den Steuern, die ganz oder zum Teil in die Kassen der Länder fließen.

Manager und Märkte

Bundeskanzler Helmut Kohl war etwas zu schnell für die Treuhandanstalt. Bei seinem jüngsten Besuch in den Vereinigten Staaten warb er um Investoren für den deutschen Osten und erzählte den Amerikanern, daß die Treuhandanstalt eine Repräsentanz in ihrem Lande eröffnen werde; so hatten es ihm Beamte des Auswärtigen Amtes in seinen Sprechzettel geschrieben.

Spanien: Lahme Teutonen

Irgendwann an diesem langen, von spröder Wirtschaftsrhetorik erfüllten Abend fiel das Wort vom "größten Konzern der Welt", und der nach Madrid angereiste Treuhand-Vertreter aus Halle blickte so stolz, als sei ihm eine besonders originelle Wortschöpfung eingefallen.

Mischas Weg nach oben

Ein Buch ist das wie mancher ZEIT- Artikel: Zu lang für den Inhalt, aber dennoch voller überraschender, nützlicher Informationen.

Frankreich blickt über die Elbe

BONN. – Das Verhältnis der Deutschen zu Mitteleuropa – meist fruchtbar, oft turbulent, manchmal tragisch – ist von den Franzosen immer mit Argwohn betrachtet worden.

Die Schwierigkeiten mit der Macht

TOKIO. – Das japanische Wort heißt "Gaiatsu", wörtlich übersetzt "ausländischer Druck"; tatsächlich aber bedeutet es soviel wie "Japan – Prügel".

"O eine wilde Musik"

Alles verzeiht man in Deutschland einem Politiker – nur eines nicht: einmal Kommunist gewesen zu sein. Keiner hat dies schmerzhafter zu spüren bekommen als Herbert Wehner, einer der großen Männer der deutschen Sozialdemokratie nach 1945.

Die Uhren von Prag

Ein Spaziergang durch die Stadt in der Mitte Europas – auf den Spuren von Bohumil Hrabal und Franz Kafka

+ Weitere Artikel anzeigen