Die 34 000 Lehrer von Brandenburg werden künftig auf zwanzig Prozent ihres Gehalts und ihrer Arbeitszeit verzichten, um so zu verhindern, daß 6500 ihrer Kollegen entlassen werden müssen. Bildungsministerin Marianne Birthler vom Bündnis 90/Grüne hat mit ihrer unorthodoxen Politik Erfolg gehabt. Trotz großer Widerstände unter den Lehrern und den Kultusministern der anderen fünfzehn Bundesländer konnte sie ihr „brandenburgisches Modell“ durchsetzen (ZEIT Nr. 18/92). Auch in Brandenburg nämlich müssen – wie in allen neuen Bundesländern – aus finanziellen Gründen Lehrerstellen eingespart werden. Und um zu verhindern, daß sich diese „bedarfsbedingten Kündigungen“ auf unglückselige Weise mit den Kündigungen aus politischen oder fachlichen Gründen vermischen, sollen für höchstens drei Jahre alle Lehrer nur achtzig Prozent der vollen Zeit arbeiten. In dieser Dreijahresfrist, so hofft man im Ministerium, wird die Regelung dann von allein überflüssig, weil viele Lehrer entweder auf eigenen Wunsch in Teilzeitstellen arbeiten oder vorzeitig in den Ruhestand gehen.

Das „brandenburgische Modell“, das in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) entstand, ist – so weiß man im Ministerium genau – ein „Notbehelf“. 189 Lehrer haben sich bislang geweigert, es zu akzeptieren. Sie haben die an alle Lehrer des Landes verschickten neuen Verträge (samt einem ausführlichen erklärenden Begleitschreiben) nicht unterzeichnet. Ob sie allerdings ihre Weigerung durchsetzen können, wird die Justiz entscheiden. Ministersprecher Stefan Woll: „Das Angebot wird ihnen nun noch einmal etwas deutlicher nahegebracht. Und wenn sie es dann nicht annehmen, trifft man sich eben vor dem Kadi.“ S. E.