Noch ehe die Rebellen den Ring um die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba geschlossen hatten, waren sie schon in Sicherheit: 15 000 Falaschen, von Israel in einer Blitzaktion aus dem umkämpften Land am Horn von Afrika geholt. Die „Operation Salomon“ dauerte knappe 36 Stunden, 35 Flugzeuge pendelten 41 mal zwischen Israel und Abessinien hin und her, dann war die Mehrheit der äthiopischen Juden im Gelobten Land angekommen.

Die Luftbrücke war erst möglich geworden nach der Flucht von Mengistu Haile Mariam. Der kommunistische Diktator hatte die Falaschen nämlich als Faustpfand bei seinen Verhandlungen mit Isreal mißbraucht.

Sie blieben unbescholten, solange Jerusalem Waffen lieferte und Militärberater schickte. Mengistu, immer stärker bedrängt von den Rebellen aus den Nordprovinzen Tigre und Eritrea, brauchte dringend Unterstützung, denn Moskau hatte die Bruderhilfe aufgekündigt. Nun umfaßt die jüdische Gemeinde in Äthiopien nur noch 1500 Menschen. Sie leben in der von Addis Abeba abgeschnitten Provinz Gondar.

Sind sie gefährdet? War die Aktion tatsächlich notwendig? Die vereinigten Rebellen, die jetzt in London einen Waffenstillstand mit der äthiopischen Regierung vereinbart haben, sichern allen Volksgruppen das Recht auf Selbstbestimmung zu. Womöglich hätten die Falaschen schon bald ungehindert ausreisen dürfen.

In Jerusalem wird die „Operation Salomon“ von allerlei Gerüchten umrankt. So soll der amerikanische Präsident George Bush seinen Amtskollegen Schamir bereits vor einer „Umleitung“ der Neuankömmlinge in die besetzten Gebiete gewarnt haben. Palästinenser befürchten, daß die gewollte Masseneinwanderung den Israelis neue Argumente für ihr Siedlungsprogramm liefert. ill