Bundeskanzler Helmut Kohl war etwas zu schnell für die Treuhandanstalt. Bei seinem jüngsten Besuch in den Vereinigten Staaten warb er um Investoren für den deutschen Osten und erzählte den Amerikanern, daß die Treuhandanstalt eine Repräsentanz in ihrem Lande eröffnen werde; so hatten es ihm Beamte des Auswärtigen Amtes in seinen Sprechzettel geschrieben.

Doch die Treuhand hat noch gar nicht entschieden, wie sie den Markt in den USA beackern will. Auf jeden Fall aber braucht sie einen anglophilen und anglophonen Repräsentanten, der die Treuhand und die Vereinigten Staaten kennt. Er muß die größte Industrieholding der Welt, die für amerikanische Politiker und Unternehmer ein exotisches Gebilde ist, bei Dinners und Vorträgen den Zuhörern näherbringen und sie zum Investieren animieren. All diese Voraussetzungen erfüllt Klaus von Dohnanyi, der für dieses Amt im Gespräch ist.

Der frühere Erste Bürgermeister von Hamburg hat zwei Bücher über die ehemalige DDR geschrieben. Als Aufsichtsratsvorsitzender des Leipziger Maschinenbauunternehmens Takraf kennt er die Wirtschaft in den neuen Ländern von innen, und hat auch Erfahrungen mit der Treuhand. Von Dohnanyi hat zudem in den Vereinigten Staaten studiert und gearbeitet. Unklar ist allerdings, ob er den Job übernehmen wird.

Klar hingegen ist, daß der Bundestagsabgeordnete Wolfgang von Geldern sich für die Treuhand als Lobbyist in Bonn betätigen wird. Der Beratervertrag ist unterschrieben, das Honorar soll sich auf dem Einkommensniveau eines Treuhanddirektors, also bei rund 250 000 Mark, bewegen, die Büromöbel kommen in den nächsten Tagen. Seit 1976 ist von Geldern für die CDU im Bundestag, acht Jahre war er Parlamentarischer Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium, sein Mandat als Abgeordneter wird er behalten. Dies sei der Wunsch des ermordeten Treuhandpräsidenten Detlev Rohwedder gewesen, sagt von Geldern.

Umstritten ist, ob es wirklich Rohwedders Wunsch war, daß von Geldern überhaupt für die Treuhand arbeitet. Von Geldern sagt ja und verweist auf einen Brief Rohwedders, den dieser kurz vor seiner Ermordung geschrieben habe. Bei der Treuhand dagegen erinnert man sich daran, daß Rohwedder und seine Nachfolgerin Birgit Breuel Widerstand gegen das Engagement des Unionspolitikers geleistet haben, um zu verhindern, daß die Anstalt von den Parteien unterwandert und als Pfründe für Politiker benutzt wird.

Eigentlich sollen die Bonner Abgeordneten die Arbeit der einflußreichsten Anstalt öffentlichen Rechts kontrollieren. Zumindest für diese Funktion scheidet von Geldern aus. Einen Interessenkonflikt sieht er natürlich nicht.

Wer tüchtig spart, kommt nicht auf dumme Gedanken und ist weniger anfällig für wohlfeile Parolen. Banken erfüllen deshalb eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe, meint Eckart van Hooven, der nach 36 Dienstjahren vom Vorstandssessel der Deutschen Bank auf die Rentnerbank wechselt. Mit der Einführung neuer Spar- und Kreditangebote eroberte er ein Riesenheer neuer Privatkunden für die Deutsche Bank und trug damit wesentlich zu ihrem Wandel von einer Industrie- zur Universalbank bei.