Von Gunter Hofmann

Bonn, im Mai

Na, wie ein Bergsteiger fühlt er sich eben, der vier Stunden geklettert ist und jetzt den Rucksack abstellt. Geschafft! Kennen Sie das Gefühl?

In solche Bilder kleidet Hans-Jochen Vogel, was er zum Abschied vom Amt des Vorsitzenden der SPD beim Bremer Parteitag empfindet. Tatsächlich, es ist gerade erst vier Jahre her, daß Vogel den dreizehn Jahre älteren Willy Brandt an der Spitze der Partei ablöste. Nun folgt ihm auf dem Bremer Parteitag der wiederum dreizehn Jahre jüngere Björn Engholm.

Hans-Jochen Vogel, 65 Jahre, Beruf: Politik, wiederholt also, was er immer von sich gesagt hat: Er plane nicht. Er plante nicht, ein so junger Oberbürgermeister in München zu werden. Er plante nicht, als Minister in die Kabinette Brandt und Schmidt zu gehen. Er plante nicht den Weg ins Berliner Bürgermeisteramt und ebensowenig, daß er einmal (1983) Kanzlerkandidat würde oder Fraktionsvorsitzender der SPD, was er nunmehr seit acht Jahren ist.

So hat er eben auch den Rückzug von der Parteispitze nicht geplant, auch das war eher ein Akt der Pflicht, wie das allermeiste, dem er sich unterzieht, aus seiner Sicht jedenfalls. Damals mußte es einer machen, und dieser eine war er. Es war kein Zufall, bei aller Bescheidenheit, da hat Vogel seinen Stolz. Aber nun ist eben doch die Zeit für einen Generationenwechsel gekommen, sagt er sich, es wurde gewünscht so, und dann hält er es auch für richtig. Geschafft.

Selbst an der Spitze der SPD, als Nummer eins also, hat Vogel es auf eine merkwürdige Weise vorgezogen, zu "dienen". Das war nicht nur ein Lippenbekenntnis. Er hat seine Rolle so empfunden, daß es vor allem darum gehe, den Laden zusammenzuhalten.