Arbeitsscheue Elemente

Wie entsteht ein Formular? Auch nach mehreren Telephongesprächen mit Bonn war nicht herauszubringen, wer sich im Bundesministerium für Arbeit und Soziales den folgenden Text ausgedacht hat: „Ich bin nicht bereit, jede zumutbare Arbeit anzunehmen oder an zumutbaren Bildungsmaßnahmen teilzunehmen.“ So steht es im Antragsformular auf Altersübergangsgeld für Ostdeutsche. Und darunter soll nun ein an Plan-Erfüllung gewöhnter Arbeiter oder Bauer seinen Friedrich Wilhelm setzen, wenn er Altersübergangsgeld beziehen möchte. „Das heißt doch im Klartext“, entrüstete sich ein Leser der Berliner Zeitung, „daß sich jeder Antragsteller selbst zum arbeitsscheuen Element erklären muß. Dabei spielt es nach der mir auf dem Arbeitsamt gegebenen Auskunft gar keine Rolle, ob dieser Text im konkreten Falle sachlich falsch ist. Ich habe mir beispielsweise buchstäblich die Hacken abgerannt, um eine neue Arbeit zu finden, habe an einem Umschulungskurs erfolgreich teilgenommen und mich über 80mal erfolglos beworben.“ Das kostet Fahrgeld, Schuhsohlen, Nerven. Das muß nicht sein. Hier unser Verbesserungsvorschlag für das Antragsformular: „Ich bin nicht bereit, mich vom Arbeitsamt durch Umschulungsmaßnahmen in Berufe ohne Zukunftsperspektive um die Inanspruchnahme meines Altersübergangsgeldes bescheißen zu lassen.“

Nicht saumselig

Dem Ruf der Saumseligkeit möchte sich das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung verständlicherweise nicht aussetzen. Frank, deutscher Studienortwechsler aus Thüringen, hatte im Immatrikulationsbogen der Erlanger Friedrich-August-Universität zur Angabe des Herkunftslandes nur die alten Bundesländer gefunden und deshalb die „99“ angekreuzt („nicht Bundesrepublik Deutschland“; siehe ZEIT Nr. 20/91). Die Verantwortung für diese Ausbürgerung lehnt das o.e. Landesamt rundweg ab und schreibt: „Nicht erst im November, sondern bereits am 13. Juli 1990 hat das Landesamt den Hochschulen die Schlüsselergänzungen für die neuen Bundesländer mitgeteilt. Die Immatrikulationsunterlagen erstellt und druckt die Universität Erlangen-Nürnberg allerdings selbst.“

Nun wissen wir es besser: Nicht München hat geschlafen, sondern Erlangen hatte die Wahl. Erstellen, drucken und benutzen – oder die alten Bögen nehmen und hoffen, daß die Ossis nichts dagegen haben, weiterhin als „nicht Bundesrepublik Deutschland“ rubriziert zu werden.