Es ist ein Fehler, dem Leser die Arbeit erleichtern zu wollen. Er wird einem dafür keinen Dank wissen. Er will nicht unbedingt begreifen, er kommt nicht gern von der Stelle, er möchte lieber steckenbleiben, bestraft werden. Daher das Prestige der unklaren Autoren, daher die Unsterblichkeit des Wustes.

Man schreibt nicht, weil man etwas zu sagen hat, sondern weil man Lust hat, etwas zu sagen.

Der wahre geistige Takt besteht in der Kunst, seine Siege als Niederlagen zu verkleiden.

Im Zoo. – Alle Tiere benehmen sich zurückhaltend, außer den Affen. Man spürt, daß der Mensch nicht fern ist.

Ein Mensch, der etwas auf sich hält, hat kein Vaterland. Ein Vaterland, das ist Vogelleim.

Aphorismen von E. M. Cioran, die jetzt unter dem Titel „Gevierteilt“ zum 80. Geburtstag des Autors als suhrkamp taschenbuch 1838 erschienen sind.

Wilhelm Kempff