Eigentlich hatte er Musiker werden wollen. Doch die Töne aus seiner Violine, die im ostpreußischen Heimatdorf eine große Karriere zu versprechen schienen, erwiesen sich später, im Königsberger Konservatorium, eben doch als eher durchschnittlich. Vorbei die Träume. Und Wolfgang Krüger zog aus dieser Episode eine gleichsam philosophische Erkenntnis: Wenig sei wichtiger, so sagte er sich und später anderen, als früh zu scheitern.

Das Doppelbödige, nur für einfache Geister Widersinnige dieses Satzes kann als Maxime für Wolfgang Krüger gelten: sich und anderen nichts vorzumachen, offen zu sein auch und gerade in schwierigen Situationen. Jahrzehntelang war er, der niemals mit Gedanken an eine eigene Karriere beschäftigt war, so der wohl wichtigste Ratgeber in der Wirtschaftsredaktion der ZEIT. Und manchen ein beinahe unentbehrlicher Freund.

1952 war er, nur kurze Zeit nach mehrjähriger Kriegsgefangenschaft in Rußland, in dieses Ressort eingetreten. Von Anfang an beschäftigten den Dr. phil. Wolfgang Krüger vor allem die sozialen Aspekte der Ökonomie. „Renten-Krüger“ nannten sie ihn. Ein ganzes Journalisten-Leben lang betrieb er sozialpolitische Aufklärung, wehrte er sich gegen linke und rechte Ideologien. Er war, erklärtermaßen, ein Mann der Mitte. Sein letzter großer Artikel aus dem September vergangenen Jahres liest sich heute wie ein intellektuelles Vermächtnis, eine Auseinandersetzung mit den Grundanschauungen der Marktwirtschaft – verbunden mit dem Verlangen nach einer neuen Version, die auf die „ökologische Herausforderung“ zu reagieren hätte.

Wolfgang Krüger ist vergangene Woche im Alter von 78 Jahren gestorben. rf