Zunächst Formales: Es geht um Dementis, um Richtig- und Klarstellungen. Wolfgang Thierse, der stellvertretende SPD-Vorsitzende mit dem Traumergebnis von neunzig Prozent bei seiner Wiederwahl auf dem Bremer Parteitag, widerspricht aufs heftigste der Behauptung, er habe jemals beabsichtigt, die „Ossis“ der sozialdemokratischen Bundestagsfraktion unter Druck zu setzen, damit sie für Berlin stimmen. Schon gar nicht habe er angedroht, die Parteibasis im Osten gegen Bonn-Abweichler aus den neuen Ländern zu mobilisieren. Das sei nicht seine Art, und er wisse wohl, welcher Genosse solch üble Nachrede über ihn verbreite (der Name ist der Redaktion bekannt). Insgesamt also ein klassisches, hartes Dementi.

Auch Eberhard Diepgen, der Regierende Berliner Bürgermeister, sieht sich falsch zitiert. Nach der Sitzung der Verfassungsorgane (Bonner Jargon: „Organbank“) bestritt er, jemals gesagt zu haben, daß er im Fall einer Abstimmungsniederlage in Berlin „Krach“ schlagen werde. „Ich bin Demokrat“, sagte er – als ob Demokraten keinen Krach schlagen könnten.

Man müsse eine knappe Entscheidung gegen Berlin allerdings vor dem Hintergrund der „gesellschaftlichen Akzeptanz“ sehen. Wenn Diepgen also Krach ankündigt, dann ist daraus zu schließen, daß das keine Drohung ist, sondern eine Prophezeiung: Er macht ihn nicht, aber es könnte ihn geben. Mit Diepgens Worten: „Das ist Analyse.“ Also ein weniger hartes Dementi.

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Nachbesserungen auch vom Bundespräsidenten. Richard von Weizsäcker hat mit dem Spiegel ein Gespräch geführt, in dem er sich sehr differenziert mit künftigen Aufgaben Deutschlands in der Welt beschäftigt, eine empfehlenswerte Lektüre für all jene, die kaum warten können bis zur nächsten Bewährungsprobe wie am Golf.

An anderer Stelle in derselben Ausgabe des Magazins wurden allerdings auch Äußerungen des Bundespräsidenten referiert, die einen anderen Gegenstand und erheblich mehr öffentliche Wirkung hatten: Von Weizsäcker sei, so der Spiegel, für einen Volksentscheid über den künftigen Sitz von Parlament und Regierung – so wie es die SPD auf ihrem Bremer Parteitag forderte.

Kaum verbreiteten die Nachrichtenagenturen diese Neuigkeit, äußerte sich der Sprecher des Präsidenten: „Es trifft zu, daß der Bundespräsident ein Spiegel- Gespräch geführt hat. In dem Gespräch hat die Frage des Regierungssitzes keine Rolle gespielt.“