Die SPD hat den Generationswechsel vollzogen, der Themenwechsel steht noch aus

Von Gunter Hofmann

Bonn, im Juni

Der Bremer Parteitag der Sozialdemokraten, der ein so freundliches Echo fand, ist fast schon wieder vergessen. Inzwischen holte die SPD in Hamburg die absolute Mehrheit. Björn Engholm, der neue Parteivorsitzende, hat seinen ersten Auftritt nach der Wahl in der Bonner Haushaltsdebatte. Und, noch viel wichtiger, den "roten Teufeln" vom Betzenberg, aus Kaiserslautern, fehlt nur noch ein einziger Punkt, um endlich vor Bayern-München Deutscher Fußballmeister zu werden.

Es war also kein historischer Parteitag in Bremen. Gleichwohl, ein Nachwort hat er verdient. Immerhin kommt mit der Wahl von Engholm, der 458 von 470 Stimmen erhielt, ein Generationenwechsel zum Abschluß. Der politische Themenwechsel steht dafür allerdings erst am Beginn.

Es muß irgendwo zwischen Hamburg und Bremen gewesen sein, nach einem kurzen Wahlkampfauftritt für Henning Voscherau, dem jüngsten SPD-Sieger, bei hohem Tempo und einem kühlen Riesling. Björn Engholm und Willy Brandt unterhielten sich über die Zukunft der alten Tante SPD. In diesem Gespräch also muß der neue Vorsitzende das Gefühl bekommen haben, nun von gleich auf gleich anerkannt zu sein von seinem Vor-Vorgänger.

Engholm ist der letzte Minister aus der Schmidt-Ära, der politisch noch eine Zukunft hat. Er sagt auch von sich, eigentlich sei er ein Enkel von Helmut Schmidt, Und dennoch, es könnte gut sein, daß Brandt, der 1987 von seinem Amt Abschied nahm und dann das Vogel-Intermezzo beobachtete, wirklich den Eindruck hat, nach einem Umweg und dann einem Irrtum, der nicht realisiert wurde, fange seine Nachfolge jetzt wirklich erst an.