Hader sitzt auf dem Boden wie ein fast dreißigjähriger Suppenkasper, im Arm eine Flasche Rum, und verhöhnt sein Gewerbe als selbstgerechtes "Witzerl fürs Demokraterl". Er kräht: "Olle Bolidiga – bäääh!" Und meint: Ihr da unten seid wie die Politiker: "bäääh!" Und ich hier oben bin wie ihr da unten: "bäääh!" Das ist kein Endspiel des Kabaretts mehr, sondern das Ende und der Beginn der Zeit danach.

"Hader" ist nicht nur ein anderes und ein altes Wort für Krach, Streit, Zwist. Der "Hader" ist grundsätzlicher, bitterer, blutiger und eigentlich kein Wort des bürgerlichen Lebens. Wenn einer hadert, dann gleich mit Gott und der ganzen Welt. Als Substantiv ist "Hadern" ein Synonym für "Lumpen", für einen "alten Fetzen". Haderbube! Lumpensack!

Josef Hader ist ein Bauernsohn aus Nöchling/Niederösterreich, erzogen im Bischöflichen Knabenseminar des Klosters Melk, Matura im Stiftsgymnasium. Den Hader der Melker Tage beschreibt er selbst als "Chorsänger, Mesner, Organist und Bettnässer". Ein Bauernbuben- und ein katholisches Schicksal.

In Wien hat Hader Germanistik und Geschichte studiert, trat er zuerst in der Fußgängerzone auf. Schließlich stieg er aufs Brettl. Vom Ministranten zum Kabarettisten: Siggi Zimmerschied, Bruno Jonas, Rudi Klaffenböck, Josef Hader. Im "Bunten Abend" sagt er: "Andere zerhaun Fensterscheiben, i zerhau mein Kabarettprogramm." Vom Salzburger "Stadtkino", wo Hader seinen "Bunten Abend" und den Kabarettisten als verkannten Entertainer zeigte, zurück im Hotel, das sich traditionsbewußt gibt und Festspielgästen als Luxusabsteige dient, kommt es zu einer unheimlichen Begegnung. Auf dem Weg in mein Zimmer im zweiten Stock treffe ich, inmitten von Marmor, Gold und Grünpflanzen, einen Schimpansen. Er hat einen Hut auf und begibt sich auf sein Zimmer, das auch im zweiten Stock liegt. Ein Schimpanse im "Österreichischen Hof"!

Wir sind nicht nur "a bissl gleich". Wir schlafen sogar schon im selben Hotel.

Im niederösterreichischen Hollabrunn tritt Hader im Stadtsaal auf, gleich neben der "Fachschule für Fleischer". Er zeigt sein Programm "Biagn oder Brechn". Der Saal ist atmosphärelos, so ein Ort, an dem man Politikerphrasen mit Hartlaubgewachsen und Blumengirlanden zudekoriert. Die Bühne wirkt riesig, und Hader bei den Lichtproben und dem Soundcheck eher verloren. Ein bißchen blutarm sieht er privat aus, komisch gebeugt und so, als folge ihm noch immer der Schatten des Zöglings, der er war.

Der Abend beginnt mit einer Melodie, die ein müdes Akkordeon endlos wiederholt. Am Schluß des Programms wird Hader einen Text dazu singen: "Und langsam werd ma, wia ma san und langsam werd ma, wia ma san ..." Staub. Das Programm kündigt sich als Refrain an, zu singen in der Stunde unseres Absterbens. Mit dem Ende des Kabaretts kommt der Tod aufs Brettl. Hader faucht ins Publikum: "There’s only one stress for me, only one stress: the death."