Für Hader ist das Publikum eine Totengesellschaft und das Kabarett die allerletzte Darreichung. "Solang ma krank is, kommt der Arzt. Wenn es zu Ende geht, läßt man den Pfarrer rufen, und ganz zum Schluß erst wird der Kabarettist geholt, den Toten noch ein wenig aufzulockern."

Josef Haders Soli sind nicht nur eine (post)kabarettistische Sensation, sondern auch eine Passionsgeschichte. Das erste Opfer dieser Abende ist Hader selber. Der Kabarettist nagelt den Nihilisten in sich an ein Kreuz, mit dem er die ganze Welt ausstreichen will. Er ist mit seinen Figuren, ihren Zusammenbrüchen und ihren Haßtiraden, so nahe, daß man oft nicht mehr entscheiden kann, was Wahnsinn ist und was Methode (Dramaturgie oder Schauspielkunst). Bei Hader ist das Kabarett auch eine Selbstschußanlage.

Hader hat ein bürgerliches Verständnis von Kunst, vom eigenen "Werk" und gönnt sich "ganz wenig Selbstachtung". Sozial engagiert sei er nicht. "Des is mir net wichtig, wie’s mit der Gemeinschaft weitergeht", sagt Hader. "Der Zimmerschied", sagt er, "der ist wo dahaam. I tu olles, daß i des net bin."

Zusammen mit Alfred Dorfer zelebriert Hader ab und an ein Programm, das er "Freizeitmesse" nennt, eine radikale Nachbereitung seiner Ministrantenzeit. Dort werden auch erbauliche Geschichten vorgetragen, zum Beispiel diese: Ein Mann fährt über eine Landstraße. Im Auto läuft eine Musikkassette: Dr. Hook, "Silvia’s Mother". Dann fährt der Mann gegen einen Baum. Aber die Kassette spielt weiter "Silvia’s Mother" von Dr. Hook. "Und des zeigt doch irgendwia, daß es nach uns weitergeht."

Haders Gesicht entspannt sich allmählich wieder, wird weich und freundlich. Er ist durch die Hölle gegangen, jetzt scheint er am Ziel. Das Ende des Abends naht, der Schatten des Zöglings holt ihn wieder ein. Vor uns steht ein junger Mann, Jahrgang 1962, leise, erstaunt, gescheit. Er hat seine Wahrheit gesagt, hat jetzt die Kraft zur Lüge und zum Trost. Nach dem "Bunten Abend" setzt er sich an das Klavier, das jetzt in allen Farben leuchtet, und singt mit vor Seligkeit kratzender Stimme: "Irgendwann und irgendwie foll ma vor nix und vor neamd mehr auf d’ Knia."

Die Welt ist jetzt, wie sie sein soll. Schön. Vorbei.