Siebeneinhalb Stunden dauerte die Sondersitzung. Für die meisten war dieser 17. Juni glimpflich ausgegangen. Doch er endete mit einer Tragödie: Ilse Renate Nierade, Mitglied der Fraktion Bündnis 90/Grüne, verunglückte auf der Heimfahrt tödlich – Übermüdung am Steuer. Die Arbeit in der Volkskammer brachte in der Tat viele an den Rand ihrer Kraft, auch wenn die Öffentlichkeit in der DDR das kaum wahrzunehmen bereit war.

Ohne dieses Parlament wäre der demokratische Übergang von der Zweistaatlichkeit zur Einheit Deutschlands nicht möglich gewesen. Am 17. Juni 1990 wurden dazu die verfassungsrechtlichen und wirtschaftspolitischen Grundlagen geschaffen. Und es wurde der Versuch abgewehrt, vor der Größe der Aufgabe zu kapitulieren.

Auch wenn der 17. Juni heute ein normaler Arbeitstag ist, sollten wir daran denken: Die Schmerzen der Trennung sind noch nicht überwunden. Die Teilung zu überwinden, das bleibt eine wichtige Aufgabe der nächsten Jahre – nicht nur für die Politiker.