DIE ZEIT

Gottes Gebot?

Es wird wohl von den katholischen Kirchen der Republik Sturm läuten, wenn demnächst der Bundestag über eine Neuregelung des Rechts zum Schwangerschaftsabbruch berät.

Siegesfeier ohne Frieden

Für ein Weilchen glich die Nacht über Washington den Nächten von Bagdad: Ein Feuerwerk beendete die prächtige Siegesparade. Der Opfer des jüngsten Golfkriegs sollte dabei freilich nicht gedacht werden.

Auf dem Holzweg

Die tropischen Regenwälder können noch bis 1994 ohne Einschränkung abgeholzt werden. Das ist das betrübliche, aber keineswegs überraschende Ergebnis einer Konferenz in Quito.

,,Wir helfen, ihr reformiert"

Mittlerweile weiß jeder, daß es weit schwieriger ist, die Demokratie einzuführen, als eine Diktatur zu errichten. Denn bei anhaltender Wirtschaftskrise stellt ein Diktator sich ganz von selber wieder ein.

Guten Mutes

Wenn Bundeskanzler Kohl und Ministerpräsident Bielecki den deutsch-polnischen Vertrag über Zusammenarbeit und gute Nachbarschaft in den nächsten Tagen unterschreiben, werden viele in Bonn und Warschau aufatmen.

Worte der Woche

"Was sich seither in Deutschland durchgesetzt hat, war nicht der Geist des befreiten Miteinander, sondern die manchmal hochmütige Selbstgerechtigkeit der Bestätigten auf der einen Seite, auf der anderen die verzagende Bitterkeit der Enttäuschten, die sich nicht selten als Getäuschte fühlten.

Zeitspiegel

Schwedens neuester TV-Held heißt Odd Engström. Das wäre keine Nachricht, wenn der Fünfzigjährige, der nun in dem historischen Fernsehdrama "Der Dollar" auftreten soll, nicht gleichzeitig das Amt des stellvertretenden Ministerpräsidenten bekleidete.

Wolfgang Ebert: Gorbi ante portas

Als Präsident Bush verkündete, er werde die Tür zum G-7-Wirtschaftsgipfel im Juli in London für Gorbatschow sowohl geschlossen wie geöffnet halten, ließ er eine Katze aus dem Sack, die in der wissenschaftlichen Welt wie eine Bombe eingeschlagen und den wildesten Spekulationen Tür und Tor geöffnet hat.

Tod einer Zeitung

Typisch Morgen: "Entweder Aussagen machen oder ins Gras beißen!" zitierte die Schlagzeile vom vergangenen Dienstag aus einem Brief von 1956.

KOLUMNE: Nur ein Ablaß

Die schöne Welt des Fernsehens ist bequem zur Ablenkung der Gedanken, aber unbequem für ein empfindsames Herz. In den tiefen Kissen des Wohlstandes mag da manch einer richtig ins Schwitzen kommen, wenn er am Abend nicht wegschauen kann von den Leichenwogen vor Bangladesch oder von den wasserbäuchigen Kindern in Äthiopien.

Evangelischer Kirchentag: Im Plauderton

Eigentlich hatten sich alle viel Mühe gegeben: Die Organisatoren des 24. Deutschen Evangelischen Kirchentages boten ein Programm an, das sich sehen lassen konnte.

Ben Witter: Angetippt

Ossis und Wessis – der Volksmund verbrämt, verkürzt, verniedlicht. Ein Ossi meinte, den Wessis glitschten auch Wortproduktionen von Psycho- und Soziologen di hinein, sogar die Umgangssprache müßte für deren Reformeifer dauernd herhalten.

Ausnahmezustand in Algerien: Sieg für Allahs Jünger

Es herrscht wieder Ruhe im Land. Der Spuk eines Militärputsches, das Gespenst des Bürgerkrieges sind in Algerien verflogen. Beide Seiten zählen ihre Toten: Abassi Madani, der Führer der islamistischen Heilsfront, trauert um zwanzig Märtyrer aus seiner Bewegung.

Ost-Berlin vor einem Jahr: Die Mauer war längst gefallen – aber Deutschland noch immer geteilt. Am nationalen Gedenktag der Westdeutschen forderten ostdeutsche Abgeordnete in einer dramatischen Sitzung der Volkskammer: Beitritt sofort!: Beinahe ein Tag der Einheit

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen scheint uns abhanden zu kommen. Erst jetzt bemerken wir, daß die Mauer, die uns trennte, uns auch verbunden hatte – als ein gemeinsamer Feind, ein Ärgernis, das früher oder später aus der Welt geschafft werden mußte.

Rückblick: Der Papst in Polen: Hoch die Herzen

Allein auf der Bühne des "Großen Theaters" von Warschau stehend, improvisierte der einstige Schauspieler Karol Wojtyla vor ergriffenem Publikum – und vergaß doch nicht seine Rolle als Papst: "Das Grab war leer – die Apostel konnten es einfach nicht glauben.

Bonner Bühne: Man spricht deutsch

Radikal hätten die 144 Kollegen aus den fünf neuen Ländern den Bundestag bereits verändert, meinte der Abgeordnete Jürgen Rüttgers (CDU).

Weltbühne: Hoffen auf den Markt

Sogar die Demokraten unter den amerikanischen Zuhörern in der Ägidienkirche von Bardejov waren diesmal mit ihrem republikanischen Vizepräsidenten zufrieden.

Jede Menge Panzer

An einem Stand der Rüstungskomponentenmesse in Birmingham ist ein Dreißig-Mann-Zelt aufgebaut. Seine Farbe ist ungewöhnlich: Die grün-braunen Flecken fehlen.

Bayern: Pomp um jeden Preis

Wenn in diesen Wochen Hans Dorfner, Spielmacher beim 1. FC Nürnberg, einen Tritt vors Schienbein bekommt, dann leidet auf der Ehrentribüne ein Mann ganz besonders mit: Nürnbergs Oberbürgermeister Peter Schönlein.

Im Auto und auf Mallorca

Irgendwann habe ich unter dem Protest von Graf Lambsdorff gesagt, als ehemaliger Soldat wisse ich, daß der Generalstab jedes Heeres Operationspläne für alle Eventualitäten in der Schublade habe.

Nordrhein- Westfalen: Mit Dirne und Vibrator

Wer in diesen Tagen das "Ludwig Forum für internationale Kunst" betritt, von dessen Eröffnung in zwei Wochen die Kaiserstadt sich belebende Impulse erhofft, wird überrascht: Statt des Museumsdirektors Wolfgang Becker gibt dort der international bekannte, in Aachen ansässige Sammler Peter Ludwig Regieanweisungen zur Hängung.

Bonn gibt nicht nach

So schnell kapitulieren die Amerikaner nicht vor den Deutschen. Auf dem Weltwirtschaftsgipfel Mitte Juli in London muß sich Bundeskanzler Helmut Kohl auf einen neuen Vorstoß von Präsident George Bush gefaßt machen: Der zu Hause von Rezessionssorgen geplagte Amerikaner will die Deutschen drängen, endlich ihre hohen Zinsen zu senken, um so auch in den anderen Industrieländern – und vor allem in den Vereinigten Staaten – niedrigere Zinssätze zu ermöglichen.

Falsches Etikett

Wann kommt sie denn nun endlich, die Wende im Osten? Seit Monaten immer wieder und immer wieder voreilig angekündigt, scheint sie nun dazusein.

Wolfgang Hoffmann:: Wer schützt die Waffenschieber?

Absurder hätte der Vorwurf nicht sein können. "Die SPD schützt Waffenschieber", behaupten einige Abgeordnete von CDU und CSU, darunter auch solche, die sich bei der Aufklärung umstrittener Rüstungsexporte als bemerkenswerte Schutzpatrone von Industrieinteressen ausgezeichnet haben.

Bonner Kulisse

Die Erkenntnis des Kanzlers der ersten deutschen Vereinigung, Otto von Bismarck, daß man nur selbst gefälschten Statistiken trauen dürfe, ist wieder einmal in der Haushaltsdebatte des Bundestages bestätigt worden.

Gesundheitskosten: Trauerspiel

Ein "Jahrhundertwerk" ist gescheitert. Mit großen Worten hatte die Bundesregierung für ihr Gesundheits-Reformgesetz geworben, nun ist die Enttäuschung um so bitterer.

Steuerdebatte: Köder für die Provinz

Stellen Sie sich vor, es gibt ein Friedensangebot, und keiner hört hin. Genau diese Erfahrung mußte Bundesfinanzminister Theo Waigel in der vergangenen Woche machen, als er – noch vor dem Veto des Bundesrates gegen das Steuererhöhungspaket – erste Signale an die Länder aussandte, um sie kooperativ zu stimmen.

Politiker in Geberlaune

Die Ministerpräsidenten sind bereit, die Gebühren von ARD und ZDF kräftig anzuheben

Heimspiel für Sat 1

Wenn der Privatsender die TV-Rechte für die Bundesliga erwirbt, droht der Sportschau das Aus

Gewerkschaften: Mit harten Bandagen

Für die Verantwortlichen war das Verhalten von Michael Wendl ein klarer Fall von "Gewerkschaftsschädigung". Anfang Juni kündigte also der Hauptvorstand der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) dem bayerischen Mitarbeiter, und zwar fristlos.

Ende der wilden Ehen

Der Bruch kam auf dem Höhepunkt der Stahlkrise. Niederländische und deutsche Manager konnten sich nicht über dringend notwendige Stillegungen von Betriebstätten einigen.

Afrika: Wege aus der Armutsfalle

Ein Motto faßt Fuß in Afrika: Einigkeit und Recht und Freiheit. In gut einem Dutzend Länder gingen in den zurückliegenden Monaten Bürger oder Studenten auf die Straße; sie protestierten gegen ihre autokratischen Regierungen und forderten Recht und Freiheit.

Verpaßte Gelegenheiten

Keiner der Teilnehmer am ZEIT-Börsenspiel braucht sich mit seinen bisher erzielten Ergebnissen zu verstecken. In fünf Monaten erwirtschafteten die Wertpapierexperten Tim Schmiel (Westfalenbank), Elisabeth Höller (Dr.

Markt-Report: Optimistische Ausländer

Überraschend stabil präsentiert sich der deutsche Aktienmarkt in den beiden ersten Juniwochen. Weder deutliche Verluste an den Börsen von New York und Tokio noch steigende Preise und höhere Anleiherenditen wirken sich nennenswert auf die Kurse aus.

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