Am 3. August 1921: Familien tag in Neuharlingersiel. Ein Photo aus einem Garten. Zwanzig Personen posieren zur Erinnerung, gute Bürger in steifen Kragen, die Damen im langen Rock, und in der zweiten Reihe der gestaffelten Gruppe zwei junge Frauen mit Bubikopf: Maria Louise und Gertrud Johanna Louise, genannt Jeanne Mammen. Sie sind ins grüne Marschenland der ostfriesischen Vorväter gereist, aus Berlin kommen sie, und nichts deutet darauf hin, daß das Leben sie längst aus diesem ehrbaren Kreis hinauskatapultierte.

Mitte zwanzig waren die beiden, als sie 1915 nach Berlin kamen, und viel später wird sich Jeanne Mammen daran erinnern: "Dort, entwurzelt, ohne Bekannte und Verwandte, ohne Geld ... spärliche Verdienste durch Fotoretuschen, Modezeichnungen, Kinoplakate, Schustern etc ..." Die eine Schwester, die größere, damenhafte, die es erst mit Modezeichnen versuchte, lernte stenographieren, und nichts weiter ist von ihr zu berichten. Die andere, klein und dunkel, die damals für die Ufa zeichnete und Kitschromane mit so düsteren Titeln wie "Das Gift im Weibe" illustrierte, diese Jeanne Mammen, lebte fünfzig Jahre, bis zu ihrem Tod 1976, in Berlin.