Auf dem Krankenbett noch hat er die letzten Korrekturen der neuen Übersetzung von Sartres philosophischem Hauptwerk "Das Sein und das Nichts" gelesen, deren Erscheinen er nun nicht mehr erleben wird. Diese Neuübersetzung, in zehnjähriger Arbeit – zusammen mit Hans Schöneberg und einer Gruppe von Heidegger-Kennern – entstanden, errungen, ist unerwartet zum Abschluß des großen Lebenswerks von Traugott König geworden, eines Werks, das er vor fast dreißig Jahren mit einem unerhört couragierten, sich seine Maßstäbe selber setzenden Projekt begonnen hatte: Sartres damals gerade publizierte "Critique de la raison dialectique" in ein ebenso philosophisch klares wie gut lesbares, lebendiges Deutsch zu übertragen.

Damit war unwiderruflich mit der lauen Routine einer Sartre-Übersetzerei gebrochen worden, der allzuoft die Begriffe und die Wortbedeutungen durcheinandergerieten. König machte als Übersetzer und als Lektor bei Rowohlt den teutschen Leser danach auch mit dem politischen Sartre bekannt, der im Wirtschaftswunderland lange kein Bürgerrecht erhalten hatte.

In den siebziger Jahren gab er die Verlagsarbeit auf, um die fünf Bände der monumentalen Flaubert-Studie "Der Idiot der Familie" zu übersetzen und gleich anschließend auch noch ein editorisch einmaliges Vorhaben zu beginnen: die Herausgabe der Gesammelten Werke Sartres in neuen Übersetzungen – und nach einem klaren Editionsplan geordnet, den der Meister selber, mit dem König stets in Verbindung stand, erfreut gebilligt hatte (und den auch der französische Verleger für die eigene Ausgabe gleich mit übernahm). Als Herausgeber, der sich nicht damit zufriedengab, die einzelnen Bände "abzuzeichnen", sondern der mit jedem seiner Mitübersetzer, die er zu diesem Mammutunternehmen eingeladen hatte, gemeinsam am Text arbeitete und darüber diskutierte, wurde Traugott König zugleich zum einflußreichen Lehrer.

Seine Bedeutung als Übesetzer geht weit über die eigene bewundernswerte Leistung hinaus: Sein Beispiel wirkte ansteckend und hat die Auffassung vom Übersetzen spürbar verändert. Und so war er es auch, der den Anstoß dafür gab, daß die Neuübersetzung der Werke Gustave Flauberts, Simone de Beauvoirs, André Gides und anderer französischer Klassiker endlich in Angriff genommen wurde.

Der 1934 als Sohn eines Pfarrers in Niederschlesien geborene Traugott König hatte nach der Gymnasialzeit in der DDR in West-Berlin Romanistik und bei Jacob Taubes Philosophie studiert. Seit 1970 lebte er in Frankfurt am Main. Hier organisierte er auch 1987 – gegen manch skeptische Stimme – einen internationalen Sartre-Kongreß, der unerwartet zu einem triumphalen Erfolg wurde. Im nachhinein erscheint er jetzt als die Krönung seines reichen Lebenswerks.

Am 9. Juli ist Traugott König, nach kurzer, schwerer Krankheit, in Frankfurt gestorben.

Lothar Baier