Die alten Schlauchboot-Kämpfer wehren sich gegen neue Ideen

Von Thomas Kleine-Brockhoff

Seit Wochen streifen Reporter durch die Greenpeace-Zentrale am Hamburger Hafen. Der Wiener fand heraus, daß „der Öko-Multi in einem Strudel böser Vorwürfe unterzugehen droht“, es würden „nur noch Spenden abgezockt“, die dann „auf Konten vergammeln“; Esquire entdeckte „Gelder“, die zwischen undurchschaubar „verschachtelten“ Greenpeace-Unternehmen „zirkulieren“; Report, das Fernsehmagazin aus München, stellte die gewaltlosen Umweltkämpfer als rabiate Prügeltruppe dar.

Die Beschuldigungen, von vielen Zeitungen nachgedruckt und von hundert Förderern täglich mit stornierten Einzugsermächtigungen quittiert, halten einer kritischen Überprüfung nicht stand: Greenpeace kann sie Punkt für Punkt widerlegen.

Dennoch kommt die plötzliche öffentliche Kritik nach Jahren der Verehrung für Greenpeace nicht unerwartet, trifft sie doch auf eine im Innern tief verunsicherte Organisation. Deutschlands populärster und reichster Umweltverband steckt in der Sinnkrise.

Zehn Jahre nach der Gründung der deutschen Greenpeace-Sektion protestieren die Aktionisten routiniert vor sich hin, wissen aber nicht recht, ob sie ohne Ende Schlauchboote zu Wasser lassen oder verstärkt auf unspektakulären Öko-Lobbyismus und wissenschaftlich fundierte Umweltberatung setzen sollen; und sie streiten mit harten Bandagen darum, ob der verantwortungsvolle und effiziente Umgang mit dem auf sechzig Millionen Mark emporgeschnellten Spendenbudget rigide Management-Methoden erfordert oder innere Demokratie. Unentschieden pendelnd zwischen Unternehmer- und Rebellentum, haben sich unter den 131 Greenpeace-Angestellten Gruppen und Grüppchen zusammengefunden, um über die Reform des rasant wachsenden Öko-Multis zu reden.

Alles dreht sich, vordergründig, ums Geld. Die Geschäftsführung will die Gehälter drastisch erhöhen und statt mit jetzt vier künftig mit elf Hierarchiestufen arbeiten; die Belegschaft ist dagegen, vor allem wegen der Spitzengehälter. „Bereichsleiter“ sollen rund 8000 statt 6000 Mark im Monat verdienen, die beiden Geschäftsführer mehr als 10 000 Mark. Die mit der Reform der Gehaltsstruktur beauftragte Unternehmensberatung hatte ursprünglich sogar ein Spitzengehalt von jährlich 200 000 Mark vorgesehen.