Eine neue Pille zur Empfängnisverhütung soll künftig in Indien vermarktet werden. Wie der New Scientist Anfang August berichtete, handelt es sich bei dem Wirkstoff aus der Klasse der Kumarine nicht, wie sonst üblich, um Hormone, also Östrogene oder Gestagene. Die Verbindung, die in dem Mittel mit der Bezeichnung Centchroman enthalten ist, wurde vor zwanzig Jahren am Central Drug Research Institute in Lucknow/Indien synthetisiert. Sie hat nach langen Erprobungen kürzlich die Freigabe der indischen Arzneimittelbehörde erhalten. Ihre Wirkung soll in einer "milden" Blockade der Östrogen-Rezeptoren im Uterus bestehen, es werde also lokal eine Östrogenmangelsituation hervorgerufen. Dies verhindere, daß sich ein befruchtetes Ei in der Gebärmutter einniste. Völlig geklärt ist dieser Mechanismus jedoch offenbar nicht. Nach Einschätzung westlicher Wissenschaftler fehlen noch Erfahrungsdaten, um eine mögliche Überlegenheit der neuen Pille im Vergleich zu konventionellen oralen Kontrazeptiva zu belegen. Bisherige Ergebnisse deuten darauf hin, daß sich der Zyklus der Frauen unter der Einwirkung von Centchroman verlängern kann. Es wirke sicherer als eine Verhütung mit Kondomen, führe aber zu einer höheren Fehlerrate als Hormonpillen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO verfolgt mit großem Interesse den neuen indischen Weg, der künftig auch für andere Staaten mit hohem Bevölkerungszuwachs Bedeutung gewinnen könnte.

Die intensivste Röntgenquelle am Himmel hat ein deutsch-amerikanisches Wissenschaftlerteam entdeckt. Nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa ist sie identisch mit dem variablen Quasar 3C279, der im Sternbild der Jungfrau in etwa sieben Milliarden Lichtjahren Entfernung zu finden ist. Dessen Emissionen sind etwa hunderttausendmal energiereicher als gewöhnliche Röntgenstrahlung. Die gigantische Energiemenge, die von diesem kuriosen Gebilde ausgesandt wird, übertrifft die Strahlung unserer gesamten Milchstraße etwa zehnmillionenfach! Da die gleiche Region bereits früher von zwei Röntgensatelliten ergebnislos beobachtet wurde, muß es sich um einen stark veränderlichen Quasar handeln. Entdeckt wurde der neue Star am Röntgenhimmel vom Gammastrahlen-Observatorium (GRO), das die Raumfähre Atlantis im April ins All gehievt hat. Das GRO enthält vier Instrumente. An jenem, das hochenergetische Strahlung mißt und nun eine der gewaltigsten Energiequellen im All entdeckt hat, sind deutsche Wissenschaftler unter der Leitung von Klaus Pinkau (Max-Planck-Institut für Physik und Astrophysik, München) entscheidend beteiligt.

Ein Mordopfer konnten britische Wissenschaftler auf bemerkenswerte Weise identifizieren. Von dem seit rund acht Jahren toten Mädchen waren Ende 1989 lediglich noch Knochen, Haare und Zähne, in einem Teppich eingewickelt, gefunden worden. Ein medizinischer Künstler von der Universität Manchester rekonstruierte aufgrund des Schädels und der Haare ein Modell des Mädchenkopfes. Das Tonmodell wurde photographiert und das Bild veröffentlicht. Ein Sozialarbeiter aus Cardiff/Wales, wo die Leiche im Garten eines Terrassenhauses verscharrt worden war, glaubte, die 1981 aus einem Heim entflohene Karen Price wiederzuerkennen. Die Zahnfunde stützten diese Vermutung. Gewißheit ergab dann eine Untersuchung noch vorhandener Erbgutreste (DNA) in den Knochen. Die DNA des Mädchens war zwar massiv zerstört und zu neunzig Prozent von bakteriellen und Pilz-DNA-Resten überlagert. Mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion PCR, einem modernen Verfahren zur Vervielfältigung vorhandenen Erbgutes, gelang es den Forschern, wenige millionstel Gramm intakter menschlicher DNA-Stücke zu isolieren und anschließend zu vermehren. Ein Vergleich dieser DNA-Stücke mit dem Erbgut der noch lebenden Eltern ergab, daß die traurigen Überreste von ihrer Tochter Karen stammten. HST