Gegen acht Uhr abends entschließt sich Anlauf zu einem erneuten Rundgang. Polizeihauptmann Franz Lenck vom Gewerbeaußendienst bittet, an dem Kontrollgang teilzunehmen. Anlauf meint zunächst, das sei nicht nötig. Es werde schon nichts passieren, und wenn, dann genüge es, daß Willig und er erschossen würden. Lenck geht dennoch mit.

Vor dem Karl-Liebknecht-Haus sehen sie eine größere Menschenansammlung und sprechen kurz mit Polizeioberwachtmeister Burkert, der dort seit neunzehn Uhr mit mehreren Beamten auf Posten steht. Burkert (Spitzname: „Totenkopf“ oder „Leichenheinrich“) ist deutlich nervös; irgend etwas sei nach dem ganzen Verhalten der Menge geplant, augenscheinlich wegen der gestrigen Vorfälle. Er rät dringend dazu, den ganzen Bülowplatz sofort radikal zu räumen. Anlauf hält die Sache für nicht so bedrohlich und will zunächst die Lage in den nahegelegenen Musikersälen in Augenschein nehmen. Dort soll um zwanzig Uhr eine KPD-Versammlung stattfinden.

Anlauf geht in der Mitte, Lenck links und Willig rechts von ihm. Willig hört plötzlich unmittelbar hinter sich eine Stimme: „Du – Husar, du – Schweinebacke, und du – den anderen.“ Willig weiß sofort, daß ein Anschlag auf sie verübt werden soll. Er greift zu seiner Pistole und will sich umdrehen. In diesem Augenblick fallen salvenartig mehrere Schüsse. Anlauf erhält einen Kopfschuß und fällt tot vornüber. Lenck wird in den Rücken getroffen, stürzt ebenfalls, erhebt sich aber wieder. Er zieht seine Pistole, wankt in den Vorraum des Kinos „Babylon“ und bricht dort zusammen. Er stirbt auf dem Weg zur Rettungsstelle. Willig sackt nach den Schüssen in die Knie, erhebt sich aber ebenfalls und verfeuert sein ganzes Magazin auf die umstehenden Personen. Erst beim Nachladen bemerkt er eine Verwundung an der Hand; das Magazin fällt zu Boden. Mit einem Bauchschuß kommt er ins Krankenhaus. Er wird überleben.

Der Bülowplatz und die ganze Umgebung sind nach den Schüssen sofort in hellen Aufruhr geraten. Die Beamten vor dem Karl-Liebknecht-Haus meinen, sie würden von allen Seiten beschossen, und beginnen ihrerseits zu schießen. „Es entstand ein Wirrwarr unter den Polizeileuten, und die angesammelten Menschen liefen davon“, sagte später ein parteiloses, in einer KPD-Broschüre zitiertes Ehepaar aus. „Es wurde dann aber von der Polizei ununterbrochen geschossen, so daß wir in das K. L.-Haus eintreten mußten, um nicht auch getroffen zu werden. Während dieser Zeit, wir waren etwa 10 Minuten im K. L.-Haus, wurde weiter geschossen. Wir und noch ungefähr 20 Leute gingen aus dem K. L.-Haus hinaus und liefen zur Hirtenstraße zu. Auch während wir liefen, wurde hinter uns hergeschossen, und nur durch ein Wunder blieben wir unverletzt.“

Ein Zeuge sagt vor der Polizei aus: „Auf dem Weg bis zur Ecke [Kleine Alexander-/Weydingerstraße] hörte ich eine große Anzahl von Schüssen fallen. An dieser Ecke lag eine Zivilperson, die einen Bauchschuß erhalten hatte. Der Mann war etwa 54 Jahre alt. Ich griff den stark blutenden Mann unter die Schulter und schleifte ihn in einen Hausflur eines Hauses in der Kleinen Alexanderstr., nach dem K.L.-Haus das zweite Haus... Ich blieb bei dem Verwundeten und wollte ihn mit Unterstützung von Hausbewohnern verbinden. Gleich darauf kamen 4 Schutzpolizeibeamte in das Haus, die auf mich mit ihrem Polizeiknüppel einschlugen. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Haus zu verlassen und zu türmen.“

Als die herbeigerufenen Polizeiverstärkungen eintreffen, ist der Platz bereits weitgehend leer. Die Polizisten geben noch mehrfach Schüsse auf vermeintliche Heckenschützen ab und durchkämmen die umliegenden Häuser. Die Besucher des Kinos „Babylon“ werden allesamt durchsucht. Die KPD-Versammlung in den Musikersälen wird „unter teilweisem Gebrauch des Pol.-Knüppels“ (Polizeibericht) aufgelöst. Der kommandierende Offizier bilanziert: „An Verletzten auf Seiten der Aufrührer“ – jeder Zivilist in der Gegend ist offenbar automatisch ein Aufrührer – „sind bisher festgestellt: 1 Toter, 14 Verletzte, teils leicht, teils schwer“. 66 Personen sind „zwangsgestellt“.

Das Rettungsamt der Stadt Berlin teilt am nächsten Tag die Namen von 23 weiteren Personen mit, die in Krankenhäusern liegen oder auf Rettungsstellen behandelt wurden. Unter anderem stehen auf der Liste: „4.) Groß, Richard, 11 Jahre, Bauchschuß ... 14.) Kießler, Marie, Aufwärterin, Bauch- und Beckenquetschung. 16.) Schnell, Frieda ..., Schußverletzung am linken Unterschenkel... 18.) Riger, 12 Jahre, Mädchen, ... Steckschuß rechter Unterarm.“