DIE ZEIT

Das Abenteuer der alten Garde

Es war ein Putsch, der oft vorhergesagt und häufig geübt worden war – und dennoch überraschend unbeholfen wirkte. Die meisten der Herren, die sich am Montag dieser Woche als "Staatskomitee für den Ausnahmezustand" präsentierten, waren alte Kameraden, die schon vorher und mit wachsendem Selbstvertrauen den Reformkurs Michail Gorbatschows zu konterkarieren suchten, zuletzt auf fast legalem Wege noch Ende Juni, eine Generalprobe für das, was jetzt geschah.

Worte zum Umsturz

"Die langen Jahre der Arbeit haben Michail Sergejewitsch ermüdet. Gorbatschow ist nur vorübergehend nicht in der Lage, wegen seines Gesundheitszustandes seinen Pflichten nachzukommen.

Der lange Weg in den Umsturz

So lange wollten die Militärs nicht zuwarten. Im Unionsvertrag, den am Dienstag die drei "Staaten" Rußland, Kasachstan und Usbekistan als erste der neuen föderationswilligen Sowjetrepubliken hatten unterzeichnen wollen, heißt es in Artikel 4: "Der Einsatz von Truppen des Verteidigungsministeriums ist im Inneren des Landes nicht erlaubt.

Die letzte Hoffnung

Dienstagmittag vor dem "Weißen Haus" in Moskau, dem Sitz der Russischen Föderation und ihres Präsidenten Boris Jelzin: Die Verteidigung des Hoffnungsträgers haben alle Putschgegner für den Augenblick zu ihrer Hauptaufgabe erklärt.

Warten auf den Abzug

Wäre es nach Klaus-Peter Kobbe gegangen, er wäre zu spät gekommen: Lieber erst im September hatte der agile Vorsitzende der "Interessengemeinschaft Flugplatz Eberswalde-Finow e.

Nur kein falsches Signal

Das Warten auf Neuigkeiten aus Moskau verkürzt den Bonner Regierenden eine technische Errungenschaft, auf die sie recht stolz sind: das Abhören und Beobachten der Nachrichtensendungen des sowjetischen Rundfunks und Fernsehens durch Spezialisten im Bundespresseamt.

Chaos oder Diktatur – oder beides?

Im April hat Marschall Achromejew vor den versammelten Schülern der französischen wie auch der sowjetischen Generalstabsakademie verlangt, der Westen solle dem Beispiel des Warschauer Paktes folgen und nun endlich auch Nordatlantikpakt und Nato auflösen.

KOLUMNE: Hat der Westen versagt?

Viele wollten es schon immer gewußt haben, daß Militär und KGB eines Tages Gorbatschow stürzen werden. Prognosen wurden gehandelt, sogar Wetten über den Zeitpunkt abgeschlossen.

Die Stunde der Starrköpfigen

Zumindest einer freute sich ganz unverhohlen über den Putsch in Moskau: Saddam Hussein. In Extrablättern ließ der irakische Präsident den Untergang Gorbatschows und des "alten Regimes in Moskau" bejubeln.

Krieg im Schatten der Krise

Die Eskalation kam prompt. Nur einen Tag nach dem Putsch in Moskau wurde die Stadt Osijek im umkämpften Slawonien mit Mörsern beschossen.

Schriftzeichen an der Wand

Jetzt sind auch in Moskau die Panzer aufgefahren. Wie vor zwei Jahren in Peking steht die Armee gegen das Volk. Wie in China sucht eine politisch gescheiterte und moralisch diskreditierte Kommunistische Partei die Macht mit militärischer Gewalt zu sichern.

Weltbühne: Die zweite Erpressung

UN-Generalsekretär Peréz de Cuéllar hegt Zuversicht, der Chef des syrischen Geheimdienstes im Libanon verspricht Gewißheit: "Die Frage ist nicht mehr, ob die Geiseln freigelassen werden, sondern wann sie freigelassen werden.

Bonner Bühne: Bürokratische Freuden

Am 28. Juni 1991 haben wir ordnungsgemäß mitgeteilt, wie künftig mit der Bezeichnung Deutschlands zu verfahren ist, wenn sie juristisch und sprachlich korrekt sein soll.

Die Gorbatschow-Jahre

Wer am Morgen des 12. März 1985 die Parteizeitung Prawda oder die Regierungszeitung Iswestija aus dem Briefkasten zieht, sucht auf der Titelseite vergeblich nach der Nachricht vom Tode des greisen Generalsekretärs der KPdSU, Konstantin Tschernjenko.

Es brennt überall

"Ich muß mal klipp und klar sagen, ich hab früher viel mehr gearbeitet. Angestrengter. Wenn Sie sich vorstellen, daß man berufstätig ist, drei Kinder hat, eine Wohnung mit fünf Zimmern, die Hauswirtschaft, die Wäsche.

Chile und China als Vorbild

Zwei Leitbilder sind der alten kommunistischen Nomenklatura geblieben: Chile und Südkorea. Ende 1988 begannen erstmals in Warschau einzelne Zirkel der zerfallenden Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei die Frage zu erörtern, ob diese beiden stramm antikommunistischen Länder nicht die richtigen Rezepte für Osteuropa lieferten, nämlich eine Kombination von erfolgreicher Exportwirtschaft und autoritärem Regime.

Kabinett der Rüstungszaren

Putschisten haben immer die gleichen Pläne. Das Staatskomitee für den Ausnahmezustand will "Staat und Gesellschaft so rasch wie möglich aus der Krise führen".

Bonner Kulisse

Überraschung in Bonn: Bundesfinanzminister Theo Waigel kann nun doch noch einen durchgreifenden Erfolg beim Subventionsabbau vorweisen – allerdings nur im Osten des vereinigten Deutschlands.

Bonn und Moskau: Begrenzter Spielraum

Mit der Hilfe zur Selbsthilfe, die der Westen der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow versprochen hatte, konnten die brutalen Putschisten in Moskau von vornherein nicht rechnen.

Kalkül mit dem Ernstfall

Die Flucht aus der Mark schadet der deutschen Wirtschaft mehr als der Zusammenbruch des Osthandels

Auf dem Trockenen

Das Wachstum von Las Vegas hat einen Kampf ums Wasser mit dem Umland ausgelöst

Geheimbericht: Kronzeuge Schalck

Bisher wurde darüber nur spekuliert – doch jetzt gibt es Belege: Große Teile des Auslandsvermögens, das der ehemalige DDR-Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski im westlichen Ausland gebildet hat, gehörten der SED und sind damit Eigentum der PDS.

Viag springt nach vorne

Unangefochten an der Spitze der hundert Größten steht wie schon im Vorjahr der niederländische Ölkonzern Shell. Überhaupt war der Bereich Energie die Wachstumsbranche.

Im Sog des Binnenmarktes

Für die Brüsseler Wettbewerbshüter ist wirtschaftliche Konzentration nicht immer von Übel

Markt-Report: Vom Bonus zum Malus

Zum vierten Male seit 1987 hat es nun in der zweiten Jahreshälfte einen Börsencrash gegeben. Jedesmal traf es den deutschen Aktienmarkt besonders hart.

Alternativen zum schwarzen Konto

Millionen von Sparern machen sich in der Bundesrepublik Jahr für Jahr strafbar, weil sie die Erträge aus ihrem Geldbesitz dem Finanzamt nicht angeben.

Spitzenplatz verloren

Die Verschuldung von Bund, Ländern und Gemeinden hat als Folge der deutschen Vereinigung einen kräftigen Sprung gemacht. Im vergangenen Jahr standen die Gebietskörperschaften mit 1052 Milliarden Mark in der Kreide.

Manager und Märkte

Boeing: Monopol in Gefahr EG: Almosen für Albanien Tamoil: Benzin gegen Geiseln

Der gute Geist von Buttenhausen

Oder: die Alternative zum Geist von Potsdam – Vor siebzig Jahren wurde der demokratische Spitzenpolitiker Erzberger von Rechtsradikalen ermordet

Wir lassen die Deutschen allein

WASHINGTON. – Eigentlich ist schon alles gesagt – auf beiden Seiten des Atlantiks – über die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten auch in der Zukunft.

Freier Markt ist nicht gleich Freiheit

PEKING. – Kaum hatte der Nachrichtensender CNN gemeldet, der amerikanische Senat werde China die Meistbegünstigungsklausel nur unter bestimmten Bedingungen gewähren, da wurde der Bildschirm in meinem Zimmer im "Peking Hotel" schlagartig dunkel.

Arbeiterinnen schildern ihren Alltag um 1928: Selten frei

Kaum eine Geschichte scheint in den vergangenen zwei Jahrzehnten so gut erforscht worden zu sein wie die der Arbeiter in Deutschland, und doch leidet diese an Lohnstatistiken, Produktionsentwicklungen oder Gewerkschaftspolitik geschulte Geschichtsschreibung an dem Defizit, daß die Untersuchten selbst kaum Gelegenheit besaßen, ihr Leben aufzuschreiben und damit der Nachwelt ihre Sicht der Welt zu hinterlassen.

BUCH IM GESPRÄCH: Sicherheitsrisiko Jugend

In den fünf neuen Bundesländern droht einer ganzen Gesellschaft das Leben auf dem Sozialhilfeniveau." Dem ist nicht viel hinzuzufügen, und das tun Klaus Farin und Eberhard Seidel-Pielen auch nicht.

Briten raus!

Wer an die Heide denkt, denkt an sanfte Hügel, überzogen von leuchtendviolettem Heidekraut, Heidschnucken und sandigweiche Wanderwege.

+ Weitere Artikel anzeigen