Nun hat Heinz Dürr also seine Bahn ohne Beamte. Vom kommenden Monat an übernimmt der Bundesbahn-Chef auch die Leitung der Reichsbahn im Osten. Von ihren noch mehr als 200 000 Beschäftigten ist keiner Beamter – und daran wird sich nach Dürrs Intentionen auch nichts ändern. Denn der als Bahnsanierer angetretene Industriemanager hat das Beamtenrecht im Westen mit seinem starren Reglement für Besoldung und Beförderung zu Recht als ein kapitales Hindernis für höhere Leistungen des staatlichen Schienenunternehmens ausgemacht. Er will den Bahnbeamten abschaffen. Insofern ist Dürrs Berufung eine gute Nachricht.

Als erster Schritt zur Fusion beider Bahnen ist sie aber weniger erfreulich. Zwar verlangt der Einheitsvertrag, "die beiden Bahnen technisch und organisatorisch zusammenzuführen". Aber es spricht vieles dafür, gerade das nicht zu tun. Damit würde nämlich die einmalige Chance verspielt, endlich auch auf der Schiene Wettbewerb zu veranstalten und die Bahnen so zu höherer Produktivität zu zwingen. Diese Idee, die auf europäischer Ebene als Konkurrenz der Staatsbahnen untereinander neuerdings viele Befürworter hat, sieht vor, daß nur noch das Schienennetz als staatliches Monopol organisiert ist. Darauf fahren könnten dann möglichst viele Verkehrsunternehmen – wenn möglich auch private. üth