Unter Branchenkennern an der New Yorker Wall Street gilt Robert Lutz weniger als Mann der Zahlen denn als Mann des Produkts. Das Produkt, das ist für den 59jährigen Präsidenten der Chrysler Corporation und damit zweiten Mann nach Chairman Lee Iacocca seit fast dreißig Jahren das Automobil. Der in der Schweiz geborene und in den Vereinigten Staaten aufgewachsene ehemalige Pilot des US Marine Corps begann seine Karriere bei General Motors, wechselte dann zu BMW und landete schließlich bei Ford, wo er unter anderem Europa-Chef war; 1986 überzeugte ihn Iacocca, zum kleinsten unter den amerikanischen "großen drei" zu wechseln.

Mit seinem Erfahrungsschatz, so die Aussage eines Branchenbeobachters, hat Lutz den breitesten Horizont unter allen Managern in Amerikas Automobilindustrie. Ob das ausreicht, Chrysler als Unternehmen mit breiter Produktpalette durch die neunziger Jahre zu führen, ist offen. Wie Anfang der vergangenen Dekade, als die Firma nur mit einer Milliardenspritze der Regierung vor dem drohenden Absturz bewahrt werden konnte, steckt Chrysler erneut in finanziellen Schwierigkeiten. Dennoch werden dem Unternehmen gute Chancen eingeräumt – wenn es nur die kommenden zwölf Monate überstehen kann.

Ob Lutz nächstes Jahr im Chefsessel in der unprätentiösen Chrysler-Konzernzentrale Platz nehmen kann, ist ebenso unklar wie die Entwicklung seiner Firma. Zwischen ihm und Chairman Iacocca, so wird kolportiert, hat es mehr als einmal harte Auseinandersetzungen gegeben. Der wortgewaltige Iacocca aber trifft bei Chrysler, wenn nicht unbedingt die richtigen, so doch die letzten Entscheidungen – auch darüber, wann er sich zur Ruhe setzt und wer ihm nachfolgt.