Bonner Bühne

Was das Singen angeht, ist das Wichtigste nun endlich geklärt; nämlich die Sache mit Maas und Memel, Etsch und Belt und "... Deutschland über alles". Der Briefwechsel zwischen Präsident und Kanzler über das "Lied der Deutschen" von Heinrich Hoffmann (von Fallersleben) erklärt formell die dritte Strophe ("Einigkeit und Recht und Freiheit) zur "Nationalhymne für das deutsche Volk", wie Richard von Weizsäcker formulierte. "Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland", schrieb Helmut Kohl in seiner Antwort. Ob dieser Unterschied nur stilistisch ist oder eventuell rechtsrelevant, bleibt ungeklärt. Zweifel aber, ob vielleicht doch auch die beiden ersten Strophen Bestandteil der Hymne seien, sind damit getilgt.

Anlaß für den Bonner Notenwechsel der beiden Nachbarn am Rhein war der 150. Jahrestag der Niederschrift des besagten Liedes durch den Dichter, genau am 26. August 1841 auf der Insel Helgoland. Die Melodie hatte Hoffmann sich bekanntlich von dem Österreicher Haydn und dessen Kaiserhymne geholt, was, gemessen an heutigen Maßstäben, nicht ganz unbedenklich ist. Glücklicherweise haben die Österreicher aber längst eine neue Hymne, Verwechslungen und Verwicklungen sind demnach ausgeschlossen.

Der unermüdliche Wilfried Böhm, CDU-Abgeordneter im Bundestag, der sich zusammen mit dem Förderkreis Deutschlandlied rühmt, durch die Edition einer Schallplatte im Jahre 1976 das Lied buchstäblich vor der "Vergessenheit" gerettet zu haben, hat aus aktuellem Anlaß abermals eine Platte aufgelegt. Auf dieser werden die drei Strophen zunächst feierlich gesprochen, und danach wird die dritte – wohlklingend – gesungen. Man weiß, wie unterschiedlich das schöne Lied mit seinem erhabenen Text geraten kann; spätestens seit dem 10. Oktober 1989, als Kohl, Genscher, Momper, Brandt und Wohlrabe es vor dem Rathaus Schöneberg in Berlin anstimmten.? Herr Böhm muß gelitten haben.

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Noch ein paar Worte zum Liederbuch "Kameraden singt!" der Bundeswehr. "Daß Soldaten singen, ist ein alter Brauch", beginnt das Vorwort, gegen Ende heißt es, die Liedersammlung solle dazu beitragen, "daß in der Truppe wieder mehr gesungen wird".

Die Auswahl, die diesem Vorhaben dient, ist da und dort schon kommentiert worden, und vermutlich wäre sie nicht weiter der Rede wert, gäbe es nicht das berüchtigte "Panzer-Lied". Das hat seine eigene Geschichte, worauf die Liedgut-Verwalter der Hardthöhe in einer kleingedruckten Einleitung kurz eingehen. Sie erinnern, daß ein Oberleutnant des Panzerregiments 1 in Erfurt den Text im Jahr 1934 geschrieben habe. Außerdem vermerken sie, daß dieses Regiment – vielleicht ist das von bundeswehrgeschichtlicher Bedeutung – "als Wiege der Panzerwaffe" gelte, was sprachlich besonders fein ausgedrückt ist.