Björn Engholms Führungsstil ist anders – reicht das für die Genossen?

Von Werner A. Perger

Malmö/Bonn, Ende August

Ein bißchen ist er schon zusammengezuckt. Dann hat es ihn amüsiert, Björn Engholm, den Gast aus Deutschland. Aber so ist das eben mit diesem feinen und etwas kaprizierten Unterschied zwischen Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur, wie die SPD ihn pflegt und bis 1994 noch zu pflegen beabsichtigt. Der wird von Außenstehenden nicht immer verstanden. So haben die schwedischen Genossen den SPD-Vorsitzenden am vergangenen Sonntag, als er ihnen bei der Wahlkampferöffnung in Südschweden als Gastredner zur Seite stand, dem Publikum im Vergnügungspark zu Malmö ungerührt als "Kanzlerkandidaten der SPD" präsentiert (und, da auch B sagen muß, wer A sagt, ebenso als "nächsten deutschen Bundeskanzler"). Wie sollten sie auch wissen, daß Björn Engholm um die Kandidatur sich bisher weder beworben noch darauf verzichtet hat, sowenig wie Oskar Lafontaine, der dies für seinen Teil soeben öffentlich in Erinnerung brachte.

Björn Engholm ließ das kleine Mißverständnis unkorrigiert stehen. Ohnehin haben die schwedischen Sozialdemokraten angesichts der ihnen drohenden Wahlniederlage andere Sorgen. Engholm machte es kurz und herzlich, dankte der Partei des Ministerpräsidenten Ingvar Carlsson und dem ganzen Ostsee-Nachbarland für die Unterstützung bei der deutschen Vereinigung – was sicherlich ein anderer Akzent ist, als ihn Oskar Lafontaine gesetzt hätte, sagen wir bei einem Gastauftritt bei den Sozialisten im Elsaß –, hieß die Schweden "willkommen in der Europäischen Gemeinschaft" und wünschte "lycka till" – viel Glück.

Der Auftritt in Malmö galt als Geste des solidarischen Beistands für den Parteifreund Carlsson. Auch der dänische Parteivorsitzende war gekommen. Die internationale Aufwertung der nicht sehr imposanten Veranstaltung in Malmö war willkommen. Einer Regionalzeitung war das Trio der Parteiführer immerhin ein Farbphoto auf dem Titelblatt wert, die drei auf der Wiese beim Picknick im Park. Da war für die Schweden natürlich die Frage müßig, ob ausgerechnet die deutsche Partei berufen ist, ihnen aus dem Tief der Umfragen zu helfen.

Auch den SPD-Vorsitzenden muß das jüngste Bonner Politbarometer beschäftigen; es zeigt, daß seine Partei nicht so richtig vom Fleck kommt, im Osten hat sie sogar wieder Stimmungspunkte verloren. Dabei sind die deutschen Sozialdemokraten eigentlich ganz gut über den Sommer gekommen, bisher zumindest. Der Vorsitzende hat auf seinen Urlaub im Watt verzichtet und statt dessen die neuen Länder bereist, mit kleinem, aber freundlichem Presseecho und mit großen, zumeist unerfreulichen Erfahrungen, was die Organisationskraft der Partei im Osten angeht. Ein Sommer des Sammelns, Sortierens und Lernens.