DIE ZEIT

Offener Krieg

Ein Gespenst geht um in der Sowjetunion. Es heißt Jugoslawien. Wenn ein bis dahin zentral beherrschter Vielvölkerstaat zerbirst, kann schnell der Nationalitätenkonflikt folgen.

Heimatlich

Für Erich Honecker, der so vielen Menschen ihre Heimat verleidet hat, könnte nun selbst die letzte Zuflucht verlorengehen. Für die einstige Besatzungsmacht in Moskau, deren Satrap er war, ist er – nach dem Putsch und Sturz der alten Kameraden – zu einem eher lästigen Erinnerungsposten geworden.

Hymnisch

Es kommt nicht eben häufig vor, daß sich der Bundespräsident und der Bundeskanzler Briefe schreiben. Weshalb also ausgerechnet zum 150.

Abschied von Zar und Kommissar

Als in der Nacht zum Mittwoch der vergangenen Woche Sondertruppen des KGB auf das "Weiße Haus" in Moskau vorrückten, den Sitz von Parlament und Regierung der Russischen Föderation, da schien das Schicksal der jungen sowjetischen Demokratie besiegelt.

Sieg der Freiheit

Siegt am Ende doch die gute Sache? Unser Jahrhundert mit seinen Kriegen und Krisen hat dem politischen Pessimismus weitaus mehr Anhaltspunkte geboten als einer naiven Zukunftserwartung.

Stimmen zur ZEIT

Pech – so nennen wir gemeinhin das Eintreten des Mißgeschicks. Die peinliche Lage, in die der Moskauer Putschversuch unsere donnerstags erscheinenden Wochenzeitungen gebracht hat, kann man jedoch nicht als Künstlerpech abtun.

Worte der Woche

"Der Mann ist unberechenbar. Er muß seine Schaukelpolitik beenden. Er hat die Putschisten Janajew und Pugo in seine Regierung geholt, obwohl er im voraus wußte, daß sie nicht die richtigen Leute sind.

Wie gewonnen, so zerronnen

"Jelzin muß sich gegen den Vorwurf der Nationalisten wehren, Heimaterde zu verschleudern."

"Herr, vergib ihnen nicht!"

Am Wochenende standen die Telephone im Büro von Vytautas Landsbergis nicht mehr still. Ob aus Belgien oder Dänemark, Norwegen, Schweden oder Frankreich – die Botschaft an den Präsidenten des litauischen Parlaments war stets die gleiche.

Der Kreis schließt sich

Wie in Leningrad, der Heimstatt der Oktoberrevolution, das unselige Erbe zerfiel

Die Welt ist von Grund auf verändert

Perspektiven westlicher Politik nach dem Moskauer Putsch – ein ZEIT-Interview mit Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher

Wolfgang Ebert: Traumhaft

Für seine Träume kann man nichts, die kommen und gehen, wie sie wollen. Heute nacht träumte mir zum Beispiel von einem gewissen Herrn Nörgel, der mit seiner neuesten Lohnsteuerkarte in der Hand die Regierung (Reg.

Furcht vor dem Chaos

Kein anderer Wendepunkt in der russischen Geschichte, auch nicht die Oktoberrevolution 1917, sei so bedeutend gewesen wie der gescheiterte Putsch in der vorigen Woche in Moskau, so urteilte dieser Tage George Kennan im amerikanischen Fernsehen.

Revolution im O-Ton

Der Umsturz begann klassisch: Das Radio sendete ernste Musik, das Fernsehen zeigte alte Filme, die Zeitungen wurden zensiert.

KOLUMNE: Rechte Radikale im Osten

Zu den schlimmsten Zerfallsprodukten der DDR gehören die aggressive Ausländerfeindlichkeit und die massive Gewaltbereitschaft jugendlicher Gruppen, die die Öffentlichkeit als östlichen Neonazismus erschreckt zur Kenntnis nimmt.

Deutsche Lieder

Was das Singen angeht, ist das Wichtigste nun endlich geklärt; nämlich die Sache mit Maas und Memel, Etsch und Belt und "...

Weltbühne: Mittler mit Mut

Jetzt konnte er während der brisanten Moskauer Putschtage demonstrieren, daß er mehr Fingerspitzengefühl und Bewegungsfreiheit besitzt als seine Amtskollegen in Paris und Bonn; er vermochte ganz nebenbei auch noch zu demonstrieren, daß das Wort der britischen Regierung in Washington doch mehr gilt als das anderer EG-Partner.

Björn Engholms hundert Tage als Vorsitzender der SPD sind vorüber. Schon werden die ersten Fragen nach der Macht und Kraft des neuen Hoffnungsträgers der Sozialdemokraten gestellt: Die Sache mit der Faust

Ein bißchen ist er schon zusammengezuckt. Dann hat es ihn amüsiert, Björn Engholm, den Gast aus Deutschland. Aber so ist das eben mit diesem feinen und etwas kaprizierten Unterschied zwischen Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur, wie die SPD ihn pflegt und bis 1994 noch zu pflegen beabsichtigt.

Niedersachsen: Ab in den Wald

Der Grenzzaun zwischen Bundesrepublik und DDR verlief knapp drei Kilometer östlich des kleinen Harzkurortes Walkenried. Von der alten Landstraße nach Nordhausen, die erst seit einigen Monaten wieder für Autos passierbar ist, führt ein kleiner Waldweg mitten ins frühere Niemandsland.

Niedersachsen: Zwei Seiten einer Majestät

Die Heide blüht, und mit ihr das kulturelle Leben in jenem sandigen Landstrich zwischen Hamburg, Bremen und Hannover. Es ist die Zeit, in der den Touristen gekrönte Häupter präsentiert werden.

Beamte mit Poposcheitel

"Wenn im Kabinett von Sachsen-Anhalt die Minister nur so aus den Sesseln purzeln und auch in den Regierungen und Landtagen der übrigen christdemokratisch geführten neuen Bundesländer das große Zähneklappern vor den weiteren Überprüfungen anhält, starrt die West-CDU schier ungläubig auf den Wechselbalg, der ihr da zugewachsen ist.

Lenken statt kassieren

Mit keinem anderen Thema machte der Bonner Umweltminister in den vergangenen Monaten so viele Schlagzeilen wie mit seiner Müllpolitik.

Der Rubel als Retter

Besuchen Sie uns bald in unserem befreiten Land." So sagte vorigen Freitag ein Moskauer Manager, als er sein Telephongespräch mit einer Unternehmensberaterin in Frankfurt beendete.

Wilfried Herz:: Verdrängte Wahrheiten

Theo Waigel tritt in der kommenden Woche vor den Bundestag, um Parlamentariern und Bürgern wenigstens jetzt, mit einjähriger Verspätung, die ungeschminkte Wahrheit zu sagen: Die deutsche Einigung verlange dem Volk Schweiß und Tränen ab, Opfer seien unumgänglich, der Staat müsse wegen seiner ausufernden Verschuldung drastische Kürzungen seiner Ausgaben vornehmen.

Benzinpreise: Eigentor

Peter Schlüter, der Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes, hat ein Eigentor geschossen. Befragt, ob es denn nicht nach dem Scheitern des Putsches in der Sowjetunion und der damit einhergehenden Abschwächung von Rohölpreis und Dollarkurs an der Zeit sei, die am Mittwoch vergangener Woche erhöhten Benzinpreise wieder zu senken, ließ er sich – leichtsinnig – auf eine Kostendiskussion ein.

Reichsbahn: Abfahrt

Nun hat Heinz Dürr also seine Bahn ohne Beamte. Vom kommenden Monat an übernimmt der Bundesbahn-Chef auch die Leitung der Reichsbahn im Osten.

Wieder ein Rekord

Der Anteil japanischer Automarken am Neuwagengeschäft in den alten Bundesländern zeigt Schwächetendenzen: Für die ersten sieben Monate im vergangenen Jahr betrug er noch 15,3 Prozent, im selben Zeitraum dieses Jahres rutschte er auf 13,3 Prozent ab.

Rudolf Engen: Jobs für Pöhl

"Warum?" fragt Direktionsassisent Dr. Günter P. (mit K.O.P. weder verwandt noch verschwägert), als er mit den kreativen Köpfen der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) den "Fall Pöhl" diskutiert.

Herrhausen gab Kontra

Der Chef der Deutschen Bank war von Daimlers Expansionsplänen nicht überzeugt

Salomon-Skandal: Kartell der Schuldenmakler

Er galt als König der Wall Street. Seit der vergangenen Woche steht er ohne Kleider da: John Gutfreund, der 61jährige Chef des New Yorker Investmenthauses Salomon Brothers, mußte gehen.

Geschäfte per Dekret

Besser hätte es für die Branche gar nicht kommen können. Die europäische Fernsehgeräteindustrie klagte über flaue Geschäfte, weil ihre Märkte gesättigt sind und in diesem Jahr weder eine Fußballweltmeisterschaft noch Olympische Spiele den Absatz fördern.

Der zweite Mann

Unter Branchenkennern an der New Yorker Wall Street gilt Robert Lutz weniger als Mann der Zahlen denn als Mann des Produkts.

Mark-Report: Jeder Crash ist anders

Die Dresdner Bank macht potentiellen Anlegern diese Woche ein verlockendes Versprechen: Sie biete eine Strategie, die auch in kritischen Situationen falsche Entscheidungen vermeide.

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