Die Dresdner Bank macht potentiellen Anlegern diese Woche ein verlockendes Versprechen: Sie biete eine Strategie, die auch in kritischen Situationen falsche Entscheidungen vermeide. Nur – niemand weiß bei einem Börsenkrach, was die richtige Reaktion ist. So war es im vergangenen Jahr, als der Irak seinen Nachbarn Kuwait überfiel, richtig, sich sofort von allen Aktienbeständen zu lösen. Denn die Börsenschwäche hielt sich über mehrere Monate und fand erst zu Beginn dieses Jahres ihr Ende.

Wer dagegen am 19. August, dem Tag des Putsches in Moskau, so gehandelt hat, lag genau daneben. Denn inzwischen haben sich die deutschen Aktien wieder erholt. Zeitweise notierten sie sogar höher als vor dem Crash.

Das darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß deutsche Papiere gegenwärtig immer noch anfällig sind. Kein Wunder bei den hohen Zinsen, der sich abkühlenden Konjunktur in den alten Bundesländern und den in diesem Jahr im Durchschnitt sinkenden Unternehmensgewinnen. Diese Fakten schließen für die nahe Zukunft eine nachhaltige Kursbesserung mit einiger Sicherheit aus. Experten erwarten sogar Rückschläge.

Das ist auch die Ursache für die geringe Anlageneigung und für die Bereitschaft, kurzfristig erzielte Kursgewinne in die Scheuer zu fahren.

Ein Grund zur Vorsicht wird auch in der labilen politischen und wirtschaftlichen Situation der Sowjetunion gesehen. Schließlich ist die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, daß die Verhältnisse dort und in den baltischen Staaten die Bundesrepublik zu finanziellen Hilfen zwingen werden und damit neue Belastungen auf den eng gewordenen deutschen Kapitalmarkt zukommen.

Die Haussiers andererseits schöpfen Hoffnung aus der internationalen Konjunkturentwicklung, die – so behaupten sie – Anlaß zum Optimismus gibt. Nicht zuletzt daraus resultieren die für 1992 auch bei deutschen Unternehmen wieder steigenden Gewinnschätzungen.

Wer es sich leisten kann, gegen den Strom zu schwimmen, sollte sich den Optimisten zufolge für Stahlaktien interessieren, insbesondere für Thyssen, wo das starke Engagement in den neuen Bundesländern für Ertragsphantasie sorgt. Hinzu kommt, daß sich das Investment in Thyssen-Aktien auch von der Rendite her rechnet. Bei einer zu erwartenden unveränderten Dividende von 10 Mark und einem Aktienkurs von 240 Mark "verzinst" sich der Einsatz immerhin mit 6,5 Prozent. Mehr ist nur noch mit den Werten der Großchemie zu erzielen. K. W.