Immer wenn ein prominenter Deutscher vorzeitig aus seinem Amt ausscheidet, muß er sich nach einer neuen Tätigkeit umschauen.

"Warum?" fragt Direktionsassisent Dr. Günter P. (mit K.O.P. weder verwandt noch verschwägert), als er mit den kreativen Köpfen der Europäischen Management- und Marketing-Agentur (EMMA) den "Fall Pöhl" diskutiert.

Die Diskussion, warum Karl Otto Pöhl (61) seinen Posten als Bundesbankpräsident vorzeitig verließ (mehr Freude an Familie und Hund? Weniger Ärger mit dem Kanzler? Abbau des Golfhandicaps?), statt bis 1995 auszuharren, war schon im Mai abgeschlossen worden. O-Ton Pohl: "Es gibt ein Leben nach der Bundesbank." Jetzt geht es im EMMA-Kreis um eine allgemeinere Frage: "Warum muß ein deutscher Topmanager, der aus seinem Amt vorzeitig ausscheidet, sich nach einem anderen Amt umsehen? In anderen Ländern gehen die Pensionäre doch Angeln oder spielen Golf, schreiben ihre Memoiren oder sammeln Briefmarken?"

"Deutsche Manager", sagt Kollege M., "haben ihren eigenen Ehrenkodex. Fast wie Cowboys. Ein echter Cowboy stirbt in den Stiefeln. Ein echter deutscher Manager stirbt in den Sielen! Wenn sich so einer irgendwo ausschirrt, muß er sich anderswo wieder einschirren."

"Die Abschiedsfeier am Dienstag in der Paulskirche war nur ein Übergang", sagt Kollege L.

"Wo könnte sich ein Bundesbankpräsident a.D. einschirren?" fragt der junge R. "Bei der SPD? Die SPD braucht eine gute Wirtschaftspolitik. Und Pöhl ist doch Sozialdemokrat."

Die EMMA-Runde lacht herzlich.