Von Steven Dickman

Ein kritisches internes Gutachten des Bonner Forschungsministeriums (BMFT) dürfte dem rastlosen, inzwischen 84jährigen Erfinder Manfred von Ardenne große Schwierigkeiten bereiten, sein Dresdner Krebsforschungsinstitut langfristig aufrechtzuerhalten. Denn der drohende Verlust staatlicher Forschungsförderung könnte das Ende der medizinischen Forschung am Institut bedeuten.

Das Gutachten war bereits im November letzten Jahres erstellt worden, galt aber bislang als Verschlußsache. Es verweist auf schwere wissenschaftliche und ethische Mängel, die von Ardenne beheben müsse, um eine Unterstützung durch den Staat zu erlangen. Üblicherweise bleiben solche Gutachten vertraulich, sie werden dem um Fördermittel nachsuchenden Antragsteller nicht gezeigt. Dennoch kennt von Ardenne das Werk seiner Kritiker. Doch trotz dieser Vorzugsbehandlung scheint er nicht auf dem Weg zu sein, die Kriterien des BMFT zu erfüllen.

Mehr als dreißig Jahre lang war von Ardenne eine Schlüsselfigur in der ostdeutschen Forschungslandschaft. Durch Entdeckungen und Erfindungen in den zwanziger und dreißiger Jahren auf den Gebieten Radio- und Fernsehtechnik sowie Elektronenmikroskopie und durch seinen Beitrag zum sowjetischen Atomprogramm in der Nachkriegszeit konnte von Ardenne ein kleines Imperium im edlen Bezirk "Weißer Hirsch" in Dresden aufbauen. Daraufhin hat sich der Autodidakt – er hat weder Hochschulabschluß noch Abitur – unter dem Einfluß von Nobelpreisträger Otto Warburg der Krebsforschung zugewendet. In den letzten Jahren ist er vor allem durch seine umstrittene Krebs-Mehrschritt-Therapie und deren fragwürdige Heilerfolge in die Schlagzeilen geraten.

Von Ardenne versuchte seit der Wende, beim BMFT wiederholt Forschungsgelder einzuwerben. Aber das Ministerium hat verdeutlicht, daß es nur Projekte unterstützt, die durch wissenschaftlich ausgelegte Studien fundiert sind. Obwohl das BMFT einen Forschungsschwerpunkt angelegt hat, um interessante Alternativen zur konventionellen Krebstherapie zu fördern, gibt es kein Geld für Vorhaben, die bestimmte Grundregeln außer acht lassen.

In seinem Horst hoch über der Elbe weist von Ardenne alle Zweifel an seiner wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit entschieden zurück: "Wenn das Forschungsministerium sagt, wir würden hier nicht wissenschaftlich arbeiten, dann ist das grotesk. Sie kennen unsere Arbeit nicht. Wir laden die Skeptiker alle ein, damit sie sich selbst überzeugen können."

Jedenfalls hat von Ardenne noch nicht hinreichend durch klinische Studien bewiesen, daß seine Therapie nach allgemein akzeptierten wissenschaftlichen Maßstäben wirksam und für den Patienten ungefährlich ist. Es handelt sich um drei verschiedene Behandlungsstufen, die in der medizinischen Fachwelt sehr unterschiedliche Bewertung finden. Zuerst wird der Zuckerspiegel des Patienten durch Glukosegaben um das Sechsfache erhöht. Diese Prozedur soll laut Ardenne das Tumorgewebe für die nächste Stufe sensibilisieren, eine Hypothese, die noch unbewiesen ist.