Ataraxie war die Lieblingstugend der Stoiker und wäre ins Deutsche wohl am besten mit "Gelassenheit" zu übersetzen. Gelassenheit kann man weder verordnen, noch kann man ihr Fehlen unter Strafe stellen. Verordnungen und Strafen, die zuweilen als das A und O der Straßenverkehrsordnung erscheinen, können immer nur Hilfen zum Zweck friedlichen und freundlichen Verkehrs sein. Sie bauen auf Gelassenheit (und Höflichkeit).

Gelassenheit kann nicht verordnet, aber sie kann bis zu einem gewissen Grade gelehrt und gelernt werden. Wer aus welchen Gründen auch immer furchtbar aufgeregt ist, sollte sich so wenig ins Auto setzen wie ein Kranker oder ein Betrunkener. Und wer sich im Straßenverkehr sehr erregt hat, sollte rechts ranfahren und ein paar Minuten tief durchatmen. Fahrprüfungen wie Polizeikontrollen sind für viele ja nur deswegen eine solche Belastung, weil ihnen dabei Gelassenheit abhanden zu kommen droht, obwohl sie eigentlich alles wissen, was der Prüfer verlangt, und nichts Böses getan haben, was die Polizei erbosen könnte. Tief durchatmen.

Aufregend ist es für viele, in einem anderen Land mit anderen Verkehrsregeln, zum Teil unverständlichen Verkehrsschildern und überhaupt einem anderen Verkehrsklima zu fahren.

Wer quer oder längs durch Europa fährt, merkt bald: Der "Klimawechsel" fällt uns im Norden leichter als im Süden. Im kühlen Norden fährt man eben gelassener als im mediterranen Süden. Freilich läuft der Verkehr auch reibungsloser im Fernen Westen als im Fernen Osten; das hat nun wohl weniger mit Gelassenheit als mit Verkehrsdichte zu tun.

Wenn ich Erinnerungen Revue passieren lasse, dann bin ich am liebsten durch Irland gefahren. Dort muß man eben warten, bis die Schafe Platz machen und kein Esel mehr quer steht. Gerne erinnere ich mich auch an Fahrten durch Amerika, die Küste entlang oder von der Ostküste zur Westküste. Sogar New York ist, verglichen etwa mit Rom, die reine Erholung. Nie hatten Amerikaner Zweifel daran, daß für Autos kreuzungsfreie Hochstraßen gebaut werden müssen.

Die naive Gläubigkeit an den Sinn des Autoverkehrs haben die Japaner auch. Aber auf ihrer Hauptinsel gibt es, zwischen Tokio und Osaka, nicht diese amerikanische Weite, die großzügiges Planen erlaubt. Fahren kann man da noch ein bißchen, Parken kann man beinahe nicht mehr.

Die angenehmste Erinnerung habe ich, nächst Irland, an England, vor allem im Norden. Und am schönsten ist es in Schottland, sobald man heraus ist aus dem Dreieck Glasgow, Edinburgh, Aberdeen. Selbst in London gibt es zwar viele Staus, jedoch wenig Hektik.