Aus einer kleinen Pilot-Atomfabrik mitten in einem gilt gesicherten deutschen Kernforschungszentrum, nämlich der seit Dezember stillgelegten Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe, sind drei Atombrennstäbe mit 4,2 Kilogramm unbestrahltem Uran spurlos verschwunden. Wie konnte das geschehen? "Schlamperei", sagt das Stuttgarter Umweltministerium. Im November war noch alles vorhanden. "Damals fehlte nichts", faßte auch die Internationale Atomenergiebehörde das Ergebnis ihrer Recherchen vom Mai zusammen. Also muß der Verlust zwischen Mai und August eingetreten sein. Oder doch nicht? Waren etwa die Kontrolleure selbst schlampig? Haben sie das Fehlen des Spaltstoffs gar nicht bemerkt? Haben die Karlsruher Anlagenbetreiber den Verlust der heißen Ware verschwiegen? Sind die Brennstäbe ihnen gestohlen worden, oder haben die Manager sie gar verschoben?

Zwar ist das fehlende Material nicht direkt waffentauglich, und die Menge reicht nicht aus, um Atombomben zu bauen. Gleichwohl ist der mysteriöse Verlust nicht nur blamabel. Die Atomgemeinde ruiniert selbst ihren Ruf. vo