Von Joachim Nawrocki

Baumanager Stephan Schüttauf sieht einen Silberstreifen am Horizont: Der Auftragsbestand sei noch nicht so stabil, habe allerdings eine Tendenz zur Besserung. "Aber die Aufforderungen zur Abgabe von Angeboten nehmen erkennbar zu, und die einzelnen Projekte werden größer." Für das erste Quartal 1992 zeichneten sich gar größere Vorhaben ab, wie zum Beispiel Fachmärkte, Lagerhallen und Gewerbezentren – die Ursache für seine "optimistische Grundhaltung".

Schüttauf ist Hauptgeschäftsführer der Intech Bau-Union mit Sitz im Ostberliner Stadtteil Lichtenberg. Seine Beurteilung der Lage klingt allerdings verhaltener als beispielsweise die Mitteilungen der Fachverbände.

Im zweiten Quartal dieses Jahres lagen nach Angaben des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie die Auftragseingänge in den neuen Ländern um 72 Prozent höher als im ersten Quartal, freilich ausgehend von niedrigem Niveau. Im Juli gab es noch einmal eine Zunahme von 15 Prozent. "Es springt schon an", meint Pressesprecher Heiko Stiepelmann, "vor allem im Tiefbau." In der zweiten Runde, glaubt Stiepelmann, werde der Wirtschaftsbau boomen. Und erst danach, wenn auch die Einkommen in den neuen Ländern steigen, sei mit einer Belebung des Wohnungsbaus zu rechnen, der sich bei dem derzeitigen Niveau der Ostmieten noch lange nicht rentiert.

Doch auch bei staatlichen Bauaufträgen geht es oft noch verhalten zu. "Im ganzen Landkreis Potsdam sind mir nur zwei Neubauten der öffentlichen Hand bekannt", beobachtete beispielsweise ein Potsdamer Baumanager. Alles andere seien nur Instandsetzungen. Von solchen Aufträgen profitieren vor allem erst einmal Heizungsmonteure, Installateure, Elektrohandwerker, Tischler und Fensterbauer sowie Spezialfirmen für Dachausbau und Instandsetzung. Und selbst im nächsten Jahr werden in Potsdam voraussichtlich nur 630 Wohnungen neu gebaut, obwohl es 10 000 Wohnungssuchende in der Stadt gibt. Es mangelt an erschlossenem Baugelände und verfügbaren Grundstücken, bei denen die Eigentumsverhältnisse geklärt sind.

Regional freilich gibt es deutliche Unterschiede: Während die Länder Thüringen und Sachsen höhere Auftragseingänge melden, ist die Entwicklung in Mecklenburg unbefriedigend. Nicht allen Baubetrieben fällt zudem die Umstellung auf die Marktwirtschaft leicht. Sie müssen ihren Maschinenpark modernisieren, die Mitarbeiter qualifizieren, sie brauchen Kapital und Know-how, müssen sich neue Märkte erschließen und in der Regel auch den ganzen Betrieb umorganisieren.

Die Intech Bau-Union, die aus dem VEB Wohnungsbaukombinat "Fritz Heckert" hervorgegangen ist, gehört zu den Betrieben, die diesen schwierigen Weg bewältigen könnten. Das Kombinat zog mit 10 000 Beschäftigten jährlich rund 10 000 Neubauwohnungen in Fertigbauweise hoch, dazu Schulen, Turnhallen, Kaufhallen und andere "gesellschaftliche Einrichtungen". Der Jahresumsatz lag bei 915 Millionen Mark. Nach der Umwandlung in die Intech Bau-Union, die noch der Treuhand untersteht, wurde mit der Münchener Beratungsgesellschaft Roland Berger ein Unternehmenskonzept ausgearbeitet.