Horst P. Horst ist der amerikanische Name des Photographen, der aus Sachsen stammt und in den dreißiger Jahren nach Paris ging. Als Schüler und Freund von George Hoyningen-Huene gehörte Horst zur zweiten Generation von Modephotographen, die die Zeichner aus den mondäner werdenden Magazinen – allen voran Vogue – zu verdrängen begannen. In Horsts Arbeiten mischen sich klassische Strenge und surrealistische Pracht, zusammengehalten von jenem Wunsch nach unangefochtenem Leben, der den strapaziösen Kontakt mit namenlosen beauties und exaltierten Divas erst möglich macht.

In der neuen Monographie "Horst" mit "Photographien aus sechs Jahrzehnten" (Text Martin Kazmaier; Verlag Schirmer/Mosel, München 1991; 279 S., Abb., 128,– DM) fehlt allerdings ein Hinweis, der zur Wertung angewandter Kunst unumgänglich ist: Welche Photographien waren veröffentlicht und wo.

Die Kamera lügt nie, aber sie verrät nicht alles. In der Modephotographie verschränkt sich das Stilleben mit dem Portrait, und je elastischer die Verschränkung, desto magischer das Bild. Das Buch zeigt Horst als passionierten Studiophotographen, der der Perfektion eher zugeneigt ist als dem offenbarenden Zufall. Mit weich tastenden Scheinwerfern ist er auf der Suche nach der perfekten Ikone, der überzeugend galanten Geste. Seit 1939 in New York, pflegt er die Tradition eines stilisierten Frauenbildes, das nach dem Zweiten Weltkrieg mit der lebhaften Photographie Richard Avedons und der burschikosen eines Hermann Landshoff durchaus noch konkurrieren konnte.

Wie man an Horsts Photographien aus den vergangenen zwölf Jahren sieht, gibt es wieder Bedarf nach eleganten Varianten geliebter Klischees. Signifikant fällt der Vergleich der Frauen- und Männerakte aus: Die Frauenakte halten am "Porzellan" fest, die Männerakte sind zugleich wärmer und entschlossener. Die Photographien sind nach den nun üblichen Standards – also vorzüglich – wiedergegeben, aber manche Bilder werden in ihrer Wirkung durch plumpe, "psychologisch" gemeinte Pendants nahezu zerstört.

Obwohl in diesem Bildband so viele Gesichter zu sehen sind, bleibt Horst P. Horst, der im August dieses Jahres 85 wurde, am Ende der Photograph einer fast abstrakten Schönheit, die in wenigen farbigen Stilleben und Interieurs am lebendigsten wird. Ulf Erdmann Ziegler